Zahn des Baggers nagt in Schwanden
Der Bagger ist seit einigen Tagen fleissig am Werk. Ein Magazingebäude liegt komplett in Schutt und Steine zerlegt am Boden. Nun ist eines der sogenannten Kosthäuser an der Reihe. Stein um Stein bricht der Bagger Stücke aus der Wand.
«Unsere Textilzeitzeugen werden jetzt abgebrochen.» Mit diesen Worten hat eine Leserin auf den Abriss aufmerksam gemacht. Die Fragen, die sich stellen, sind nicht neu: Ist es richtig, die historischen, aber baufälligen Gebäude abzureissen? Gehören auch unspektakuläre Zeitzeugen zum erhaltenswerten Industrieerbe? Die Meinungen über das aktuelle Beispiel in Schwanden sind geteilt.
Denkmalpflege ohne Einwände
Mitte September des letzten Jahres hat die Gemeinde Glarus Süd der Lorze AG aus Cham, welche die Immobilien besitzt, für die Gebäude mit der Hausnummer 47, 49, 51 und 55 die Abbruchbewilligung gewährt. Laut Auskunft des Bauamtes der Gemeinde brachte die Denkmalpflege des Kantons keine Bemerkungen dazu an.
Anders der Glarner Heimatschutz. Dessen Einspruch wurde vom zuständigen Departement Werke und Umwelt der Gemeinde Glarus Süd abgewiesen. «Es ist schade für unsere Kulturlandschaft», bedauert Thomas Aschmann, Präsident des Glarner Heimatschutzes, den Abriss der Gebäude – allesamt Zeugen der einstmals blühenden Textilindustriekultur in Schwanden.
Abriss bringe keinen Mehrwert
Hinter einem etwaigen Abbruch auf Vorrat setzt der Heimatschützer Fragezeichen. Denn einen Mehrwert für die Gemeinde, besonders für die Anlieger, sehe er keinen. So sei die Frage des Glarner Heimatschutzes, was anstelle der Kosthäuser in der Herrenstrasse baulich geplant sei, nicht beantwortet worden. Nur noch als Parkplatz genutzte schäbige Hinterhof-Brachen dürfe es keine weiteren geben.
Abriss erhöhe Chance für Neues
«Wir haben das Areal und die Gebäude angeschaut. Es verschwindet kein erhaltenswertes Industriekulturerbe», begründet hingegen Fridolin Luchsinger, Departementsvorsitzender Werke und Umwelt, die Abrissbewilligung der Gemeinde. Es handle sich nicht um klassische Kosthäuser, sondern um billige Arbeiterwohnungen aus der Textilzeit. Der grössere Teil der Gebäude sei schon länger leer gestanden. Es brauche keine Ruinen.
Um etwas zu erhalten, müsse man etwas daraus machen können, so Luchsinger. Und Ideen und Projektstudien seien beim Besitzer vorhanden. «Die Chance, dass auch etwas Neues gebaut wird, steigt mit erfolgtem Abriss», ist Luchsinger überzeugt.
Adrian Gasser von der Lorze AG war bis gestern für eine Auskunft nicht erreichbar.