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Leben & Freizeit

«Wir sind traurig und stolz zugleich»

Südostschweiz
29.03.2022, 17:03 Uhr
heute um 12:16 Uhr

von Sara Marti und Nicole Nett

Das Ladencafé «Oba Aba» befindet sich mitten in der Churer Altstadt. Die unverpackten Lebensmittel stehen im Zeichen der Nachhaltigkeit und Umwelt. So werden alle Produkte in mitgebrachte wiederverwendbare Gefässe abgefüllt. Es handelt sich um den ersten Zerowaste-Laden der Südostschweiz. Wir haben darüber berichtet:

Produkte von «oba aba» – und damit die Umwelt retten

Was mit einem Crowdfunding begann, ist nach gut drei Jahren bereits wieder Geschichte: «Oba Aba» schliesst die Türen. Ziel des Non-Profit-Unternehmens war es immer, die Fixkosten zu decken. Trotz eines guten Geschäftsjahres 2020 konnte das junge Unternehmen nicht alle Arbeitsstunden entlöhnen. Nachdem im Sommer 2021 dann der Umsatz stark zurückging, war das Unternehmen finanziell nicht mehr tragbar, wie Natacha Espirito Santo, Mitgründerin des Ladencafés, erklärt. «Es fehlt nicht am Kapital, sondern an der Kundschaft.»

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Es fehlt nicht am Kapital, sondern an der Kundschaft.»

Natacha Espirito Santo, Mitgründerin des Ladencafés«Oba Aba»

Konkrete Gründe für die Ladenschliessung zu nennen, ist laut Espirito Santo schwierig. Es sei ein Zusammenspiel von vielen verschiedenen Einflüssen gewesen. «Vielleicht waren die Preise zu hoch. Oder der Konsum der Kundschaft hat sich in den letzten Jahren verändert.»

Doch allein ist «Oba Aba» damit nicht. So mussten weitere Läden in der Schweiz mit demselben Konzept von unverpackten Lebensmitteln ebenfalls Umsatzeinbrüche verzeichnen und ihre Filialen schliessen. Obwohl Nachhaltigkeit ein grosses Thema sei, sei der bewusste Konsum von umweltfreundlichen Produkten auch eine Einstellungssache und Preisfrage, so Espirito Santo.

Ein weiteres Kriterium sei der Gross- und Onlinehandel, welcher ebenfalls schon längstens auf den Zug der Nachhaltigkeit aufgesprungen sei. Dennoch habe es immer deutliche Unterschiede zum Konzept von «Oba Aba» gegeben: «Nur was der Grosshandel uns nachmacht, heisst nicht, dass es umweltfreundlicher oder sorgsamer Handel ist», führt Espirito Santo aus. «Da hatten wir schon noch ein differenzierteres Konzept.» Das «Zerowaste»-Ladencafé habe primär auf Stammkundschaft gesetzt, welche für den Alltagsbedarf einkaufte. So habe auch der eher versteckte Standort in der Churer Altstadt keine grosse Rolle gespielt.

Gemischte Gefühle

Espirito Santo schaut auf viele Höhen und Tiefen zurück. Das Crowdfunding vor über drei Jahren sei sicherlich ein Highlight für das Jungunternehmen gewesen, sagt sie. Umso grösser ist die Enttäuschung über die Schliessung von «Oba Aba»: «Wir sind frustriert. Aber wir sind auch stolz auf das, was wir in den letzten drei Jahren erreicht haben.» Und dennoch stellt sich Espirito Santo die Frage, wo es mit ihr und ihrem Team nun hingeht. «Wo gehen wir jetzt einkaufen?», fragt sie sich.

Für die junge Unternehmerin ist eins aber klar: Sie werde nie in ein anderes System zurückkehren. Umweltfreundliche Produkte werden für sie immer einen hohen Stellenwert haben. Sie müsse nur noch einen geeigneten Weg finden, um in Chur weiterhin nachhaltig einkaufen zu können.

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