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Leben & Freizeit

Winter ohne Schnee ist das Schlimmste

Südostschweiz
23.12.2019, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Die Vorbereitungen für den Winter beginnen für viele Tiere bereits mit den ersten warmen Tagen im Frühling. Sie wissen dann, dass ein Winter auf sie zukommen wird. Der ganze Sommer gilt dann der Überwinterungs-Planung. Wenn die Kälte jedoch nach der Sommerzeit nicht eintritt, leiden einige Tiere darunter.

Nicht alle interessiert es

Flurin Camenisch, Museumspädagoge im Bündner Naturmuseum, erklärt: «Gewisse Tiere interessieren die Temperaturen aber gar nicht.» So sei den Murmeltieren egal, wie kalt oder warm es ist. Im Oktober schliessen die kleinen Tiere ihre Bauten und schlafen ab dann für sechs Monate. Im Frühling erwachen sie. Wie Camenisch erklärt, ist das auf die Höhenlagen zurückzuführen. In den tieferen Lagen sieht die Situation anders aus. Der Igel beispielsweise schläft im Normalfall sehr lange. Aber durch die milden Temperaturen kann es sogar vorkommen, dass er wach und aktiv bleibt.

Auf den Schlaf kommt es an

Der ganze Prozess des Schlafens braucht Zeit und ist aufwendig. Die Winterschläfer können nicht einfach zwischen dem Wach- und Schlafzustand variieren. Das ganze Vorgehen ist mit dem Nahrungsangebot gekoppelt. Dieses nimmt in der Winterphase stark ab, das gibt den Tieren das Zeichen «Schlafenszeit». Wenn Tiere schlafen, kann es zu sehr tiefen Temperaturen kommen. Camenisch erklärt, die Kälte stellt für die Tiere kein Problem dar. Sie sind seit Tausenden Jahren an die Natur gewöhnt. Meistens verstecken sie sich in einem Unterschlupf und achten darauf, dass sie geschützt sind.

Verlierer und Gewinner

Für manche Tiere haben die milden Temperaturen auch Vorteile. Camenisch erklärt, dass grössere Tiere wie der Hirsch durch die Wärme länger Nahrung finden. Die Vegetation bleibe grün und biete noch etwas. Auch Zugvögel gehören zu den Gewinnern. Normalerweise begeben sich die Vögel in den Süden. Viele Vögel bleiben aber mittlerweile hier, denn weil der Boden nicht gefriert, ist die Nahrung sichergestellt.

Laut Camenisch haben die arktischen Tiere weniger Glück. Schneehühner und Schneehasen seien sich an sehr kalte Winter gewöhnt. Bei den aktuellen Temperaturen haben sie zu warm. Sie warten auf den Schnee, der nicht kommt. Camenisch meint: «Ein Winter ohne Schnee ist das schlimmste in den Höhenlagen.»

Leider der Normalfall

Dass während der Winterzeit einige Tiere ihr Leben verlieren, ist der Normalfall. Es ist eine schwierige Zeit und manche Tiere haben mit Problemen zu kämpfen. Dies führe zu einem natürlichen Ausgleich in der Selektion, betont Camensich. Jedoch sei dies kein Grund, als Mensch in die Tierwelt einzugreifen. Die Natur habe seit Jahrtausenden alles so eingerichtet und die Tiere können sich selber helfen und selbstständig überwintern, ohne Fütterungsversuche der Menschen. (paa)

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