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Leben und Freizeit

Vier Jungs brennen ihre Idee – und angeln weltweit Kunden

Beim Fischen kann man die Gedanken schweifen lassen. Das taten vier Männer aus der Region – mit hochprozentigen Folgen: einem Schnaps aus Linthmais. Gebraut nach eigenem Verfahren, soll dieser nicht zuletzt Frauen munden.
Urs Schnider
06.05.2017, 10:00 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Alles begann mit einem Angelausflug von Philipp Schnückel. Der 29-Jährige Wattwiler frönt seit Jugendjahren zusammen mit Freunden dem Fischen. Als er nach dem Ausflug den Fang seinem Kumpel Daniel Huser aus Schmerikon präsentieren wollte, bot dieser ihm ein selbst gebranntes Wässerchen an. «Statt meine Ausbeute zu bestaunen, sprachen wir nur noch von diesem Edelbrand», sagt Schnückel. Der habe ihn auf Anhieb überzeugt. Die jungen Männer waren sich einig: «Wir müssen etwas damit machen» – eine Schnapsidee war geboren.

Schmerkner Schnaps-Fanatiker

Huser sei seit der Schulzeit ein «richtiger Fanatiker», was Schnaps angeht. Er hat in der Schmerkner Allmeind einen kleinen Raum, wo er «in jeder freien Minute am perfekten Edelbrand herumtüftle», weiss Schnückel. Seit Jahren verbringt Huser seine Freizeit dort und experimentiert neben dem Brennen von Schnäpsen auch an einem eigenen Filtersystem herum. Im Sommer letzten Jahres gelang ihm der Durchbruch.

Dank seiner Erfindung werde das Edelwasser bedeutend «milder» als herkömmlich gebrannte Schnäpse. Dadurch werde der Schnaps etwa für Frauen angenehmer zu trinken, schmecke aber auch anderen «sensiblen Hälsen» – trotz des hohen Anteils von Alkohol, der sich bei 42 Prozent Volumenprozent bewegt.

Start mit zwei Fässern

Nach der Degustation des Edelbrands durchlebte Schnückel eine schlaflose Nacht und fuhr gleich am nächsten Morgen zu seinem Kollegen: Es gebe so viele Fischer, fisch- und wasserbegeisterte Menschen, eröffnete er Daniel Huser seine Idee. «Lass uns aus dem Wässerli ein Geschäft machen. Wir kreieren ein Fish Wasser». Voller Elan machten sich die Jungunternehmer ans Werk. Sie gründeten eine GmbH, organisierten das Material und besprachen, wie sie das Produkt, das zu 100 Prozent aus regionalen Produkten besteht, vermarkten könnten.

Dieses Jahr haben wir uns zum Ziel gesetzt, 10 000 Flaschen für den Verkauf bereitzustellen.

Gestartet haben die vier Freunde die Produktion mit zwei Fässern für die Maische. Heute stapeln sich hundert Fässer in der Produktionsstätte in Schmerikon. «Da aber die Nachfrage stetig wächst, bekommen wir langsam ein Platzproblem», sagt Philipp Schnückel. Sie seien deshalb auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für die Produktion.

Produktion hochgeschraubt

Und die Jungunternehmer halten ihre Ambitionen hoch. Letztes Jahr füllten sie 1000 Flaschen ab. «Dieses Jahr haben wir uns zum Ziel gesetzt, 10 000 Flaschen für den Verkauf bereitzustellen», sagt der Kaltbrunner Reto Städler. Philipp Schnückel ist inzwischen zu 100 Prozent bei der GmbH der vier Freunde angestellt.

Schnückel ist Technischer Kaufmann und wollte «ohnehin etwas an seiner Berufstätigkeit ändern», wie er erzählt. Die anderen vier arbeiten vor allem an Wochenenden für die Firma. «Wir füllen meistens am Mittwochabend während rund sechs Stunden Flaschen ab und packen an, wo es gerade nötig ist», sagt Städler. In einer Woche schaffen sie es, zwischen 300 und 500 Flaschen abzufüllen.

Angeln im Weltmarkt

Zudem sind sie fast jedes Wochenende an Anlässen anzutreffen, wo sie ihr Produkt vermarkten. Etwa letztes Jahr am Weihnachtsmarkt in Schmerikon, aber auch an spezifischen Events der Fischereibranche. Derzeit hätten verschiedene Getränkehändler, Restaurants oder Fischereiartikel-Läden ihren Brand im Angebot.

Wenn eine Offerte kommt, könnten wir uns vorstellen, die Firma oder Anteile zu verkaufen.

Ein Kontakt besteht derzeit zu einem Grosshändler in München. Dieser sei sehr interessiert, das «Fish Wasser» im asiatischen Markt zu lancieren. Wie sie eben erst erfahren hätten, sei ihr Edelbrand in Asien sehr gut angekommen, sagt Schnückel. «Die Produkt-Lancierung dort ist aber mit hohen Investitionen verbunden.» Deshalb eruieren sie derzeit, ob sie die Sache etwas langsamer angehen sollen oder ob ein Investor ins Boot geholt werden soll.

Millionen für eine Schnapsidee?

«Wir haben bewusst langsam begonnen und immer darauf geachtet, dass wir den ganzen Aufwand zu viert bewältigen können», erläutert Städler. Nichtsdestotrotz lancieren sie auch neue Produkte: Seit einem Monat haben sie neben der 25cl-Standardflasche auch eine grössere im Angebot. Und seit rund zwei Monaten bieten sie das «Fish Wasser» als Shot an.

Obschon die ganze Sache bisher weit besser laufe, als erwartet und sie noch viel Potenzial sehen: Stur festhalten wollen sie nicht an ihrer Erfindung. «Wenn ein Interessent käme und uns eine schöne Offerte machen würde, könnten wir uns durchaus vorstellen, die Firma oder Anteile zu verkaufen», räumt Reto Städler unumwunden ein. «Einen Teil der Firma würden wir aber sicher behalten. Dann könnten wir – vermutlich auf unseren Angelausflügen – neue Produkte-Ideen entwickeln.»

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