Trotz Ausnahmezustand: Graubünden gibt sich kämpferisch
Überall herrscht Ausnahmezustand, die Schulen sind geschlossen und viele erledigen ihre Arbeit von zuhause aus. Doch nicht alle können von daheim aus arbeiten, wie beispielsweise Zahnärzte oder Coiffeuren. Damit die Arbeitgeber den Lohn ihrer Mitarbeiter trotzdem auszahlen können, gibt es die Übergangslösung Kurzarbeit. Das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, das unter anderem die Gesuche der Kurzarbeit bearbeitet, läuft derzeit am Anschlag, wie Amtsvorsteher Paul Schwendener sagt.
Betriebe laufen auf Hochtouren
«3400 Betriebe haben bis zum jetzigen Stand Kurzarbeit vorangemeldet», sagt Schwendener. Ob es mehr Entlassungen gegeben hat, da einige Betriebe die Arbeit nicht normal weiterführen können, kann Schwendener noch nicht sagen. Aber dadurch, dass die Wintersaison frühzeitig abgeschlossen wurde, würden sehr viel Anmeldungen von Arbeitslosen aus dem Tourismusbereich eintreffen. Genaueres könne man aber erst in ein paar Wochen sagen.
Zurzeit läuft das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit auf Hochtouren. «15 bis 20 Personen arbeiten an den eintreffenden Gesuchen. Und wir werden in der kommenden Zeit noch mehr Personal einsetzen müssen», sagt Schwendener. Da aufgrund der Weisungen des Bundesrates sämtliche Kurse sowie Weiterbildungs- und Beschäftigungsmassnahmen für Arbeitslose geschlossen werden mussten, können die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Programme zur Bearbeitung der Gesuche um Kurzarbeitsentschädigung eingesetzt werden. Ob zusätzliches Personal benötigt wird, hängt gemäss Schwendener davon ab, wie viel Gesuche noch eingehen werden.
Jede Filiale wird mehrmals täglich beliefert
Hochbetrieb haben auch die Filialen der Migros in ganz Graubünden. «Es werden deutlich mehr Einkäufe getätigt als normalerweise», sagt Andreas Bühler, Sprecher der Migros Ostschweiz. Die Nachfrage nach Hygieneprodukten und lang haltbaren Lebensmitteln sei sehr hoch. Dass die Regale zeitweise leer sind, habe nichts damit zu tun, dass es Verzögerungen mit den Lieferungen gebe, sondern, weil aufgrund der grösseren Verkaufsmenge, das Personal mit den Nachschüben nicht ganz nachkomme.
«Jede Filiale wird mehrmals täglich beliefert», sagt Bühler und fügt hinzu: «Die Mitarbeiter der Migros-Restaurants und der Migros-Fachmärkte, die keine Arbeit mehr hätten, unterstützen jetzt ihre Kolleginnen und Kollegen in den Supermärkten und in der Logistik.» Mit Kontrollen wird gezählt, wie viele Personen in die Migros dürfen. «Die Anzahl Personen, die in den Laden hineindürfen, hängt von der Filialgrösse ab. So gewähren wir den Personen Abstand», sagt Bühler.
«Grösstenteils hat es gut funktioniert»
Das Fazit der ersten Woche Lockdown des Stadtpräsidenten von Chur, Urs Marti, lautet: «Grössenteils hat alles gut funktioniert.» Grundsätzlich gab es keine Restaurants oder Läden, die trotz Verbot offen gehabt haben. «Am Anfang gab es einige Missverständnisse mit manchen Betrieben, diese konnten aber gleich geklärt werden», sagt Marti. Der Bevölkerung sei der Ernst der Situation teilweise nicht bewusst, denn vor allem junge Leute würden sich weiterhin in Gruppen treffen. «Da muss man nochmals informieren, aber ich verstehe auch, dass Manchen zuhause die Decke auf den Kopf fällt», sagt Marti.
Aber nicht nur die jungen Leute würden sich treffen, sondern auch die Älteren würden abmachen, um zusammen einkaufen zu gehen. «Wir gehen davon aus, dass sich das Verhalten der Bevölkerung nächste Woche verbessert», sagt Marti und fügt hinzu: «Allerdings denken wir, dass sich die Situation im Gesundheitswesen verschlechtert.» Trotz allem sei die Stadt und der Kanton laut Marti gut vorbereitet und «extrem aktiv».