Seewasser, Fleiss und der unerbittliche Malojawind
Der Kapitän heisst Franco Giani, ist 73 Jahre alt und fährt seit bald 50 Jahren Gäste über den Silsersee. Vier Mal am Tag läuft das reguläre Kursschiff in der Sommersaison aus, dazwischen können private Fahrten gebucht werden. Wer Lust hat, kann sich auch ein Ruderboot am Bootssteg mieten. Seit 1907 gibt es die Kursschifflinie in Sils. Es ist die einzige in Graubünden und die höchstgelegene Europas. «Mein Urgrossvater Luigi kam ins Engadin, um als Fischer zu arbeiten», erzählt Francesca Giani, die Tochter des Kapitäns. Damals war die Zeit der Belle Epoque, der Bergtourismus florierte im Engadin. Und so reifte die Idee, Schiffsausflüge und romantische Extrafahrten für Touristen anzubieten. Die Gemeinde Sils unterstützte das Unterfangen und bald konnte der Betrieb mit zehn Ruderbooten beginnen.
Über Boote und Kapitäne
Am Freitag wird in der Remise des Bootshauses die «Silser Schifffahrt Ausstellung – Seeleute» eröffnet. Idee, Konzept und Umsetzung stammen von Francesca Giani und Giacomo Rota. «Ich wollte die Geschichte meiner Familie erzählen, Giacomo hat mich sofort unterstützt», sagt Francesca Giani. Gemeinsam haben sie im Gemeindearchiv nach Dokumenten und Fotos gesucht und sie haben auch bei der Familie viel Material gefunden, darunter alte Paddel, eine Kapitänsmütze oder Schiffsbillette von anno dazumal. Neun Informationstafeln mit zahlreichen Geschichten und Hintergrundwissen hat das Paar angefertigt. Mit der Ausstellung möchte Francesca Giani das Kapitel Vergangenheit abschliessen, um das Kapitel Zukunft anfangen zu können: Sie möchte die Familientradition weiterführen und Kapitänin werden.
Die Vernissage der «Silser Schifffahrt Ausstellung – Seeleute» findet am Freitag um 18.30 Uhr beim Bootshaus in Sils Maria statt.