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Leben & Freizeit

Schweizer in China: «Die Situation entspannt sich»

Südostschweiz
10.03.2020, 14:00 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Was Ende Dezember in China begann, hält nun fast die ganze Welt in Atem: Das Coronavirus wurde mittlerweile in über 100 Ländern nachgewiesen und forderte mehr als 4000 Todesopfer. Drei davon in der Schweiz.

Das Virus, dessen Folgen und Schutzmassnahmen sind auch in Glarus und Graubünden angekommen und beeinflussen das öffentliche Leben. Alle Feste mit überregionalem Charakter müssen in Graubünden etwa vom Kanton bewilligt werden. Die Grenze für kritische Veranstaltungen liegt bei 150 Personen und wird zusätzlich abgestuft. Auch in Chur, wo sie vergangene Woche bei noch 50 Personen festgelegt wurde, liegt die Grenze nun bei 150 Personen.

Angefangen hat aber alles weit entfernt in China. Genauer gesagt in der Stadt Wuhan. Mesum Verma lebt seit einigen Jahren in Nanjing, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Jiangsu, rund 540 Kilometer von Wuhan entfernt. Wie der Betreiber eines Bike-Magazins gegenüber Radio Südostschweiz sagt, haben die chinesischen Behörden zu Beginn etwas anders reagiert als diejenigen in der Schweiz und Graubünden. Mittlerweile habe sich die Situation ausserhalb von Wuhan und der Provinz Hubei erholt.

Strassen- und Ausgangssperren

Zu Beginn des Ausbruchs Ende 2019 seien die Restriktionen im Land nicht sehr extensiv gewesen, sagt Verma. Nur die Stadt Wuhan sei komplett abgeriegelt und blockiert worden.

Erst nach dem Chinesischen Frühlingsfest Mitte Februar hätten auch weitere Städte im Land reagiert. «Es gab dann auch Fälle in Shanghai oder Peking und die Zahlen sind gestiegen. Aber nicht drastisch, wenn man es mit den Zahlen aus Wuhan vergleicht», so Verma. Trotzdem wurden Strassen- und Ausgangssperren verhängt. Wer nicht vor Ort gewohnt habe, habe in Nanjing keine Nebenstrassen mit vielen Wohnblöcken betreten dürfen. Dies wurde auch mit einer Art Einwohnerkarte kontrolliert. Besuche bei Freunden oder Verwandten fielen also weg. «Da waren die Sicherheitsvorkehrungen also ziemlich streng. Mittlerweile ist es etwas lockerer», so Verma gegenüber RSO.

Er dürfe die Nebenstrassen und Wohnblöcke seiner Freunde wieder betreten und müsse die Karte mit seinen Personen- und Wohndaten nicht mehr vorzeigen. «Restaurants sind wieder geöffnet und man kann sich wieder unter die Leute mischen», sagt Verma. Nur das Fieber werde vor Ort jeweils noch gemessen, beispielsweise wenn man einen Supermarkt betreten wolle.

Bei der Bevölkerung herrsche zurzeit eine gewisse Verwirrung und Unsicherheit, erzählt Verma weiter. «Das ist einfach der Staat China. Niemand weiss ganz genau, was vor sich geht oder welche Vorschriften gelten.» Es scheint also weniger direkt und offen kommuniziert zu werden, als in der Schweiz und Graubünden.

Coronavirus

Laut einer Übersicht der John Hopkins Universität gab es auf dem chinesischen Festland bisher über 80'700 bestätigte Corona-Infizierte. Rund 68'000 davon in der Provinz Hubei, wo auch immer wieder neue Ansteckungen gemeldet werden. «Seit einer Woche gibt es in fast allen Provinzen ausserhalb von Hubei aber keine neuen Fälle mehr», sagt Verma. «Deshalb ist mittlerweile alles etwas entspannter.» (rac)