Zum Hauptinhalt springen
Leben und Freizeit

Schmähpreis provoziert Schmähpoesie

Der Präsident des Kantonsgerichts Graubünden ist für den Goldenen Bremsklotz nominiert. Seine Reaktion: ein Gedicht mit 15 Strophen.
Pierina Hassler (hap)
21.04.2017, 11:58 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Das Recherche-Netzwerk investigativ.ch zeichnet jedes Jahr Personen und Institutionen aus, die Informationen verhindern, statt sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für den Goldenen Bremsklotz 2017 ist unter anderem das Kantonsgericht Graubünden, respektive dessen Präsident Norbert Brunner, nominiert worden.

 

Das Netzwerk investigativ.ch begründet seinen Vorschlag so: «Norbert Brunner, Präsident des Kantonsgerichts Graubünden, wollte schriftliche Urteile geheim halten, obwohl die Verfassung verlangt, dass sie öffentlich zugänglich sind.» Brunner habe sich im Februar 2016 geweigert, der SRF-Journalistin und Co-Präsidentin von investigativ.ch, Stefanie Hablützel, zwei Urteile im Fall der St. Moritzer Skeleton-Bahn Cresta Run auszuhändigen.

 

Klare Worte

 

Laut investigativ.ch widerspricht diese Haltung dem Grundsatz der Justizöffentlichkeit, wie er in der Bundesverfassung festgeschrieben ist. Deshalb habe das Bundesgericht Brunners Entscheid im Juni 2016 mit klaren Worten gerügt. Zudem hat das Bundesgericht beide Urteile, die Brunner geheim halten wollte, wegen klarer Fehler aufgehoben. Der Fall liegt nun bereits zum dritten Mal beim Bündner Kantonsgericht.

 

Schmähpreis und Schmährede

 

Brunners Stellungnahme zu der Nomination für den Goldenen Bremsklotz ist eine «heiter-ernste» Angelegenheit. Er formuliert seine Gedanken zum Schmähpreis in Gedichtform mit sagenhaften 15 Strophen. Ein Auszug aus der durchaus witzigen Stellungnahme: «Wehe dem, der nur einmal wagt zu überlegen, obs richtig ist, den Medien alles herzugeben.

 

Selbst der, der mündlich alles offen legt, sieht sich später gründlich abgesägt. Jetzt, sofort und stante pede, sonst eröffnen wir die Fehde. Das Wort des Richters reicht beileib’ nicht aus, das Dokument, das frische, rück heraus! Man sattelt die Prinzipien, reitet los, eine zweite Story wäre doch famos.»

 

Neben dem Bündner Kantonsgerichtspräsidenten sind auch das Eidgenössisches Personalamt (EPA) und das Bundesstrafgericht für einen Goldenen Bremsklotz nominiert. Das EPA wehrte sich gegen die Herausgabe der Liste aller Nebenjobs der Bundesbeamten.

 

Das Bundesstrafgericht wurde für den Goldenen Bremsklotz nominiert, weil ein Journalist Mängel im Wahlsystem aufgedeckt hatte. (hap)

Schmähpreis provoziert Schmähpoesie | Südostschweiz