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Leben & Freizeit

Peyer: «Für uns ist wichtig, dass nun alle mithelfen»

Südostschweiz
16.03.2020, 10:42 Uhr
gestern um 16:56 Uhr

Am Sonntagabend hat der Kanton Graubünden entschieden, seine Massnahmen betreffend dem Coronavirus zu verschärfen. Unter anderem werden ab Montag, 12 Uhr, alle Einkaufsläden, Restaurants und Bars geschlossen. Nur Lokale, wie Lebensmittelläden, Apotheken oder Banken bleiben geöffnet.

Regierungsrat Peter Peyer erklärt gegenüber Radio Südostschweiz die Beweggründe für die neuen Massnahmen: «Wir haben die Zahlen angeschaut, wie sich die Situation wegen dem Coronavirus entwickelt und haben uns mit den Erfahrungen der letzten Tage auseinandergesetzt. Ausserdem haben wir im Namen aller Kantonsärzte einen Bericht bekommen. Der Kantonsarzt vom Kanton Tessin hat uns dann genau geschildert, was im Moment bei ihnen passiert. Für uns ist dann klar gewesen, dass die bisherigen Massnahmen nicht ausreichen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.»

Ab Montagmittag steht Graubünden still

Ob diese verschärften Massnahmen das bewirken werden, was sie sollten, könne man aber nicht sagen. «Wir sind keine Propheten und wissen nicht, was alles noch kommt. Zurzeit machen wir das, was wir als angebracht empfinden. Aber wir müssen weiterhin genau beobachten, wie sich die Situation verändert», meint Peyer.

Viele Meinungen

Mit diesem beinahe «Lockdown» steht Graubünden nicht alleine da. Auch andere Kantone wie Neuenburg und Genf haben den Notstand ausgerufen. Jedoch hat dies der Bund bisher nicht schweizweit angeordnet, was der Kanton Graubünden nicht als hilfreich empfindet. Peter Peyer betont: «In so schwierigen Situationen wäre es hilfreich, wenn der Bund Massnahmen erlässt, welche für die ganze Schweiz gelten.»

Die Schweiz ist föderalistisch aufgestellt. Darum haben Kantone und Gemeinden eine hohe Selbstständigkeit und dürfen vieles unabhängig entscheiden. In einer Krisensituation, wie sie zurzeit herrscht, führt dies aber zu unklaren und uneinheitlichen Massnahmen. «Wir haben uns schliesslich gesagt, wir können nicht warten, bis der Bund etwas tut. Wir müssen jetzt handeln», erklärt Peyer.

Das Gesundheitssystem unter Druck

Die verschärften Massnahmen des Kantons Graubünden kommen nicht von ungefähr. In den letzten Wochen gab es immer wieder neue Massnahmen. Dadurch wolle man vor allem die Ausbreitung des Virus eindämmen und das kantonale Gesundheitssystem vor einem Zusammenbruch bewahren, so Peyer. Er erklärt: «Wir sehen jetzt, wo langsam Engpässe entstehen.» Momentan gäbe es einen Engpass im Gesundheitswesen von Puschlav.

Einen zweiten Engpass sei in Samnaun bemerkbar. Dort fehlen Pflegefachleute aus dem Ausland. «Ebenso werden wir nun mit den ersten Fällen konfrontiert, die eine Intensivpflege benötigen. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass unsere Kapazitäten im ganzen Kanton eingeschränkt sind», so Peyer. Man komme schnell an einen Punkt, an dem man keine Kontrolle mehr über die Situation habe. Diesen Punkt will der Kanton Graubünden aber verhindern. Das Gesundheitssystem solle nicht an den Anschlag kommen, betont Peyer.

Die Massnahmen würden wahrscheinlich für längere Zeit bestehen bleiben, meint der Regierungsrat. «Dass die Massnahmen früher als geplant reduziert werden, kann ich mich ehrlich gesagt nicht vorstellen. Wenn die Entwicklung in Graubünden so sein wird, wie bereits in anderen Ländern und Kantonen, gehe ich eher davon aus, dass wir diese Massnahmen weiter verlängern oder verschärfen müssen.»

Keine einfache Situation

Die aktuelle Situation fordert den Kanton Graubünden. Das bestätigt auch Peyer: «Wir sind enorm gefordert. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Leute von den anderen Departementen arbeiten im Moment extrem viel. Und immer, wenn wir das Gefühl haben, jetzt haben wir die Situation im Griff, merken wir, dass dem nicht so ist.» Die Zahlen würden die Arbeiten immer wieder überholen. Im Moment gäbe es keine Abschätzung, wann diese «Druckphase», fertig sei. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir noch ein paar Wochen, wenn nicht sogar ein paar Monate, durchhalten müssen.»

Peyer betont, wie wichtig es deshalb sei, dass die gesamte Bevölkerung helfe. Man solle sich strikt an die Hygieneregeln halten. «Nur zusammen gelingt es uns, diese Krise zu bewältigen.» (paa)

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