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Leben & Freizeit

Nach über 16 Jahren Partys: Vermieterin hat genug vom «Club» in Glarus

Marco Lüthi
20.06.2023, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Der Glarner «Partykönig» Thomy Zimmermann dankt Anfang Juli nach über 16 Jahren ab. Den «Club» auf dem Holenstein-Areal in Glarus will er als sein Vermächtnis in neue Hände geben. In solche, die mit neuen Ideen und neuem Elan das Glarner Nachtleben beleben sollen. So der Plan des 42-Jährigen.

Die Eigentümerin der «Club»-Räume hat aber in der Zwischenzeit signalisiert, dass sie der Zukunft eines Partybetriebs «skeptisch» gegenübersteht. «Ein Partylokal hat stets zwei Seiten: Spass für die einen, Lärm für die anderen», sagt Marcel Föllmi, Geschäftsführer der F + N Immobilien AG aus Feusisberg. Neben Gewerberäumen und Büros vermietet sie auch Wohnungen auf dem Holenstein-Areal. Neben nächtlichem Lärm sei auch Vandalismus und Littering an den Partywochenenden immer wieder ein Problem, sagt Föllmi. In den letzten Jahren habe man deswegen schon «massiven Stress» gehabt. «Nach all dem Gesehenen und dem Ärger sind wir unterdessen nicht mehr davon überzeugt, dass ein Partylokal das richtige Konzept für diesen Ort ist», sagt Föllmi. Mit ein Grund sei auch die Parkplatzsituation.

Der Mietvertrag mit «Club»-Betreiber Thomy Zimmermann läuft noch bis im Sommer 2024. Erst dann soll laut Föllmi definitiv über die künftige Nutzung der Räume entschieden werden. 

Viel Frust und keinen Plan B

Die Hiobsbotschaft der Vermieterin kommt für den abtretenden Glarner «Partykönig» völlig unerwartet. «Meinen ‹Club› in tüchtige Hände weiterzugeben, wird mir damit gänzlich verwehrt», sagt Zimmermann frustriert. Zwei potenzielle Interessenten hatte er an der Hand. Sie waren bereit, das gesamte Inventar zu kaufen. «Somit hätten sie einen öffnungsbereiten Klub erhalten», sagt Zimmermann. Nun stehe er wie der Esel am Berg. «Einen Plan B gibt es nicht, auch Energie habe ich keine mehr.»

Seit 2006 will Zimmermann mit dem «Club» das Nachtleben im Glarnerland bereichern und fördern, indem er Tanzfläche, Musik und Drinks für Jung und Alt bietet. In den Anfangsjahren feierten freitags und samstags pro Abend bis zu 300 Leute im «Club». Ab 2013 nahm die Anzahl Partygäste aber stetig ab, was Zimmermann unter anderem auf einen Generationenwechsel zurückführt. Auch das Ausgangsverhalten der Jungen habe sich in den letzten Jahren durch Social Media stark verändert, stellt Zimmermann zudem fest. «Viele haben Angst, beim Feiern fotografiert oder gefilmt zu werden.»

Trotz den immer wenig werdenden Gästen kämpfte der 42-Jährige auch nach Corona weiter für das Überleben seines «Clubs». Im Februar entschied er, dass diesen Sommer für ihn als langjährigen Partyorganisator endgültig Schluss sein wird. Und – völlig anders als geplant – wohl auch für den «Club». Auf Facebook ruft der Glarner «Partykönig» deshalb nochmals zum Feiern auf: «Kommt und geniesst es, solange es noch möglich ist.»

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