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Leben und Freizeit

Neues Leben für die Wasserkanäle

In der Gemeinde Valsot werden die traditionellen Wasserkanäle instand gesetzt. Ziel ist, ein Landschaftselement und Kulturerbe zu erhalten.
18.09.2017, 10:15 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Im Frühling und im Herbst sind sie am deutlichsten zu sehen, die Spuren des traditionellen Bewässerungssystems von Ramosch und Tschlin. «Sie ziehen sich wie Rippen durch das Gelände», sagte Franziska Grossenbacher von der Stiftung Landschaftschutz Schweiz an einer Informationsveranstaltung am Freitag. Aufgrund der Niederschlagsarmut im Unterengadin spielten die Wasserkanäle einst eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie aufgegeben. Zu aufwendig war das traditionelle Bewässerungssystem, zu viel Arbeitskraft wurde für den Erhalt gebraucht. Seit 2013 unterstützt die Stiftung Landschaftschutz Schweiz mithilfe des Lotteriefonds Zürich und der Ernst- Göhner-Stiftung ein Projekt zum Erhalt der Bewässerungslandschaft Valsot.

Das alte Wissen wird gesichert

Obwohl die Wasserkanäle ihre Primärfunktion nicht mehr erfüllen, sind sie nach wie vor wertvoll. Laut Grossenbacher sind sie ein hervorragender Hochwasserschutz und schaffen wichtige Lebensräume für bedrohte Arten. «Das Bewässerungssystem verschwindet langsam aus den Köpfen», sagte sie. Es gebe nur noch wenige, ältere Leute, die darüber Wissen verfügen. Ein Ziel des Projekts ist daher, die Überlieferung des Wissens über die Kunst der traditionellen Bewässerung im Unterengadin sicherzustellen.

Die Gemeinde Valsot – zu ihr gehören Ramosch und Tschlin – ist eines von vier Gebieten der Schweiz, welche an einem Pilotprojekt im Bereich «Fördermassnahmen Landschaftsqualität» des Bundes teilnehmen konnten. Unter der Leitung von Pro Terra Engiadina entstand daraus dann das aktuelle Landschaftsqualitätsprojekt. Finanziell unterstützt wird es von Bund und Kanton.

Weiteres Ziel des Projekts ist, in acht Jahren historische Wassergräben zwei Mal gründlich instandzustellen. Sie müssen Meter für Meter unterhalten und die Ränder der Wassergräben und Bachufer müssen jährlich gepflegt werden. Diese Aufgaben übernimmt in Valsot der Forstdienst.

In Ramosch wurden im Talboden zehn Kilometer sowie in höheren Lagen 26 Kilometer Bewässerungsgräben kartiert. In Tschlin waren es insgesamt 117 Kilometer. Bis jetzt sind 1,3 Kilometer in den Gebieten Medras und Degnaidas wiederhergestellt worden. Auf einer Lauflänge von rund 70 Metern wurden zudem die bereits morschen und teilweise stark verfallenen Holzkanäle ersetzt.

Für die Bewässerung genutzt werden können die Wasserkanäle gemäss Gemeindepräsident und Landwirt Victor Peer allerdings nicht mehr. Grund ist mitunter die Melioration. Lediglich als Wassertröge könnten sie noch einen Nutzen haben.

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