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Leben und Freizeit

Im Raumschiff der Könige zum Apéro

Die Königsetappe, die Wanderung von Arosa nach Lenzerheide, hält, was sie verspricht. Und wartet, im Stillen, gar mit einem Thron mit Kulisse auf.
Reto Furter
04.08.2017, 20:57 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Arosa, Morgenfrische, Königswetter und eine gut gelaunte Wandertruppe – von den Unglücken in den Bündner Bergen, die den Tag überdecken sollten, wissen erst wenige. Die Königsetappe der «Südostschweiz»-Wandertage steht an: Arosa–Lenzerheide, knappe 19 Kilometer laut Marschtabelle, fünf Stunden Wanderzeit, anspruchsvolles Terrain. Und technische Unterstützung dazu.

Der Einstieg in den Wald oberhalb Arosa ist sanft, die ganz schnellen Wanderer – vielen kennen sich von früheren Etappen, andere haben sich auf der Anreise im Zug spontan kennengelernt – laufen vorne weg, die schnellen bilden das Mittelfeld und die zügigen Läufer halten den anderen den Rücken frei. Denn langsam, so viel ist schnell klar, langsam ist auf der Königsetappe niemand unterwegs.

Die «Hörnlihütte» ist in Sicht – und die Bezwingung der Berge kommt langsam vor Augen. Einst war es, in etwas lückenhafter Chronologie, der karthagische Feldherr Hannibal, der sich mit seinen Elefanten an den Bergen mass. Und derzeit, 2017, ist die Begeisterung nach Höhen und Tiefen wieder gross. Berge ziehen die Menschen an – im Fall der «Südostschweiz»-Wandertage sind es in Arosa 80 Personen. Sie ziehen sich den steilen und rutschigen Hang zum Hörnli hoch, parallel neben sich eine Gondelbahn mit dem gleichen Ziel.

Smarte Bahn ohne Aussicht

Begeisterung weckt dann der eigentliche Höhepunkt der Tour: die neue Urdenbahn, das «Technikwunder», wie sie stolz angeschrieben ist. Sie ist modern, leise, sauber, riesengross, ähnelt einem Raumschiff – und fährt mit zwölf Metern je Sekunde derart schnell über das Urdental, das man keine Zeit mehr findet, die Kulisse, die Berge, anzuschauen. Diese gibt es dafür, zeitlich unlimitiert, auf der gewiss schönsten Toilette im Alpenbogen, in der «Hörnlihütte». Auf dieser Toilette leibt man – auch ohne Not – länger sitzen.

Auf der Heidner Seite, beim Abstieg, stellt sich dann auch das wohlige Schaudern ein. Wegen der Geröllhalde, wegen der waghalsigen Downhill-Fahrer, und wegen der ohrenbetäubenden F/A-18-Armee-Jets, die man auf der Wanderung in schöner Regelmässigkeit hört. Es sind dies jene Momente, in denen die Gespräche am Berg versiegen und die Männer in den Himmel schauen.

Nach dem langen Abstieg dann die rettende Bahnstation, die einen den feinen Apéro – es gibt sogar Pralinato-Glacestengel – im Volg Lenzerheide schneller nahe bringt: ein gelungener Tag, einer Königsetappe würdig!

Der akustische und filmische Rückblick:

Wandertage: Impressionen von Tag 13

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