Im Nationalparkzentrum ist der Wolf los
Der Wolf ist ein Raubtier, das Wild und Schafe tötet. Der Wolf ist aber auch ein Forschungsobjekt, das in Fotofallen tappt. Und er fasziniert als Rudeltier mit seinem sozialen Wesen. Das Verhältnis des Menschen zum Wolf ist seit Jahrtausenden geprägt von Respekt, Ängsten und Faszination. Die aktuelle Sonderausstellung dazu, «Der Wolf ist da. Eine Menschenausstellung», ist vor wenigen Tagen eröffnet worden.
Gemäss Beat Hächler, Direktor des Schweizerischen Alpinen Museums in Bern, bietet diese Ausstellung neben Fakten und Zahlen eine unkonventionelle Annäherung an den Wolf – jenseits der Debatte von «gut» oder «böse». «Die Rückkehr des Wolfs in die Schweiz betrifft uns alle», heisst es in einer Medienmitteilung des Schweizerischen Nationalparks. Sie betreffe uns ganz direkt oder durch die damit verbundenen Diskussionen um das Verhältnis zwischen Stadt und Land, um Ökologie, Sicherheit, Natur und Kultur.
Ein Thema und viele Stimmen
Die Ausstellung lässt unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Sichtweisen sprechen: Acht Personen aus verschiedenen Berufsfeldern geben dem Wolf acht Stimmen. So kommen etwa ein Wildhüter und ein Schwarznasenzüchter aus dem Wallis, eine Tierpräparatorin oder eine Hirtin zu Wort.
An der Vernissage berichtete Nationalparkdirektor Heinrich Haller auch über die aktuelle Situation des Wolfs im Schweizerischen Nationalpark und dessen Umgebung. Seit Ende 2016 hält sich das Weibchen F18 im Ofenpassgebiet und im angrenzenden Unterengadin auf, wo es bisher 19-mal genetisch nachgewiesen werden konnte. Eine Verpaarung mit einem Rüden fand in den vergangenen zwei Jahren nicht statt. Trotzdem darf laut Haller eine definitive Besiedlung der Nationalparkregion durch den Wolf in nächster Zeit erwartet werden.
Kein Einfluss auf den Wildbestand
Diese Entwicklung bedeutet nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung der Wiederherstellung des natürlichen Artenbestands, sondern fördert sogar die natürliche Entwicklung des Nationalparks. Dies schreibt auch das Nationalparkgesetz vor. Dazu gehört die Erforschung der neu in Gang kommenden Beziehungen zwischen dem Wolf und seinen Beutetieren. «Rissfunde und Kotanalysen belegen, dass Rothirsche, Rehe und Gämsen die Hauptnahrung des Wolfs ausmachen; eine Einflussnahme auf die Bestände und das Verhalten dieser Huftiere konnte bisher allerdings nicht festgestellt werden», heisst es in der Mitteilung.