«Humorfestival» von Braunwald Klausenpass-Tourismus
Tendenz sinkend: Seit Jahren verliert der Glarner Tourismus Gäste, Geld und Glaubwürdigkeit», hatte ich geschrieben. Das können die Mitarbeiter von Braunwald Klausenpass-Tourismus noch schlucken. Auch dass man nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten müsse.
Gar nicht schlucken können die Touristiker hingegen meine Einschätzung, dass einer ihrer Schrit-te in die falsche Richtung gehe. Ich kritisiere nämlich, dass das Tourismus-Team die Gäste nicht mehr in T-Shirts der Ferienregion begrüsst, sondern im Kessler-Look mit dem Logo der weltberühmten Snowboard-Marke. Und ich frage mich, was sich die Gäste im Tourismusbüro wohl auch fragen: «Na, wo sind wir denn da?» Und ich meine: «Sollen sie doch in Braunwald nächste Saison als ‘Nussbühl- Gugelhopf’ daherkommen.»
Die Reaktion der Touristiker folgt postwendend. «Lieber Martin», klingt ja schon einmal positiv. Weiter schätzen sie auch meinen Standpunkt richtig ein: «Bezüglich unserer schicken Kessler-Bekleidung sind wir wohl nicht derselben Meinung.»
Dann geben sie mir auch noch recht: «Da wir als Tourismusbüro aber immer ein offenes Ohr für die Anliegen unserer Gäste haben, haben wir uns auf deinen Input hin entschlossen, uns ab sofort als die drei ‘Nussbühl’-Gugelhöpfe zu präsentieren.» Aber nicht nur das: «Damit die Gäste nach dem Genuss des Gugelhopfs auch gleich ein Souvenir nach Hause tragen, haben wir auch sogleich noch ein Limited-Edition-Fan-Shirt kreiert.»
Zweifellos sei das Kessler-Board das weltweit beste, das «Märchenhotel» weltbekannt. In Braunwald wurde auch das Birchermüsli erfunden. «Zweifellos ist aber eines unserer Top-Highlights der weltberühmte ‘Nussbühl’-Gugelhopf», fahren die Touristiker fort. «Daher schenken wir dir, lieber Martin, als bekennender und treuer Braunwald- und Gugelhopf-Fan eines unserer neuen Gugelhopf- T-Shirts.» Das Schreiben schliesst mit den Worten: «Bis bald z Bruuwald.»
Was Braunwalds Top-Highlights angeht, gebe ich Gabriela Heer, Claudia Järmann und Direktor Fridolin Hösli recht: Der «Nüssbühl»-Gugelhopf ist wirklich «verdammt», ja fast schon Gault-Millau-verdächtig gut. Gut ist aber auch der Werbeffekt, den das Tourismus-Team mit der Reaktion erzielt hat – für den Gugelhopf und Kessler. Erzielt dank einem Lehrstück, wie man mit medialen «Angriffen» (auch) umgehen kann.