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Leben & Freizeit

Grüne Oase in der Felswand

Jano Felice Pajarola
31.05.2019, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Ganz oben, in der Felshöhle, dem höchsten Punkt der Anlage, sorgt der Blick nach unten für das letzte grosse Staunen. Wo einst die Gäste des ehemaligen Kurhauses Rothenbrunnen in der Liegehalle die Kühle genossen, schaut nun der Gartenliebhaber entzückt hinab auf einen schier unglaublichen Park, angelegt im steilen Hang hinter dem historischen Gebäude.

Wo man von vorne, von der Strasse aus, kaum Platz wähnen würde für eine halbwegs geräumige Grünfläche, erstreckt sich eine von Menschenhand geschaffene grüne Oase mit schier endlosen pittoresken Pfaden, Sitzplätzen aller Art, dazwischen Treppen, Treppen, Treppen. Und natürlich Pflanzen, südliche vor allem, Kamelien, Palmen, Zypressen, exotische auch, Sumpfeiben, Bananenstauden, Kiwi. Und immer wieder Rosen, sie gehören zu seinen Lieblingsblumen. Er, Andreas Marugg, öffnet an diesem sonst eher grauen Mittwochmorgen Ende Mai zum ersten Mal die Pforten des wieder erblühenden Kurhausgartens für eine öffentliche Führung. Und sagt schon zu Beginn: «Perfekt ist er nicht, hier wird immer gearbeitet. Aber ein perfekter Garten ist kein schöner Garten.»

Mehr Leben soll hinein

Spätestens seit Moderator Kurt Aeschbacher der Anlage in Rothenbrunnen für SRF einen Besuch abgestattet hat – die Sendung wurde Anfang April ausgestrahlt –, aber auch dank dem Buch «Traumgärten der Schweiz» hat Maruggs Oase in der Felswand nationale Bekanntheit erlangt. 20 Jahre lang hat der Gartenbauunternehmer mit seiner Firma daran gearbeitet, «jetzt ist er fertig».

Was noch fehlt, ist die Belebung, «wir müssen mehr Betrieb hineinbringen», sagt Marugg. Eine Idee ist bereits vorhanden, entwickelt zusammen mit Gastronom Hanueli Winkler, man soll Picknickkörbe nach Wunsch bestellen und an einem der lauschigen Sitzplätze geniessen können. Eine andere Idee ist schon Realität – die öffentlichen Führungen, von denen es dieses Jahr noch mehrere geben wird. «Die Nachfrage ist enorm», so Jacqueline Bommer, die für Marugg die Aktivitäten koordiniert, «wir mussten zusätzliche Termine anberaumen.»

Wie hat Marugg es geschafft, auf so kleinem Raum so viel Garten zu realisieren? Die Lösung waren Terrassen im Hang, ein Dutzend Ebenen sind es mittlerweile. Gebaut wurde der Garten Schritt um Schritt, war wieder etwas Geld übrig, ging es weiter. Ohne Pläne. Gab es wenigstens ein Konzept? «In meinem Kopf schon», erzählt Marugg lachend. Und es galt Lehrgeld zu zahlen, zum Beispiel bei den mit Helikopterhilfe in den Hang transportierten Palmen, die zu nah an einer Mauer gepflanzt wurden und erfroren.

Raum für neues Wachstum

Die Verluste nimmt Marugg gelassen: Wo man etwas entfernen muss, entsteht Raum für neues Wachstum. Wie bei den Zypressen, die unter Schneefall zur Unzeit ziemlich leiden. Aber eben, zu perfekt darf der Garten ja gar nicht sein – und der Gärtner nicht zu perfektionistisch. Wobei, eine Schere für den einen oder anderen störenden Ast hat Marugg im Garten stets dabei. Sogar bei den Führungen.

Weitere Infos: kurhaus-rothenbrunnen.ch.

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