Früher zu viel, heute zu wenig Zeit
von Andrea Sabadi und Nicole Nett
Während der Pandemie wurden gemäss der nationalen Hundedatenbank «amicus» 110’000 Hunde gekauft. 90’000 davon sind Welpen. Für diese gibt es Welpenschulen – eigentlich. In diesen werden Junghunde ausgebildet und das richtige Verhalten gelernt. Wegen der Pandemie konnten diese Kurse aber vielerorts nicht stattfinden. Das spürt auch Brigitte Kaiser, die seit neun Jahren eine eigene Hundeschule in Chur und Umgebung besitzt – wie sie gegenüber Radio Südostschweiz sagte: «Ich habe festgestellt, dass den jungen Hunden oftmals der Kontakt und das Vertrauen zu anderen Menschen und Hunden fehlt.» Sie selbst habe drei Hunde, wobei einer davon ein Welpe sei. Auch sie musste auf den Besuch einer Welpenschule verzichten. Die Hundetrainerin hat festgestellt, dass dieser Verzicht grosse Auswirkungen hatte.
Heute sind es Problemhunde
Wie Kaiser sagt, ist das fehlende Training für erwachsene Hunde kein Problem. Diese könnten auch nach längerer Zeit wieder einsteigen. Für Jungtiere allerdings, die sich in einer entscheidenden Entwicklungsphase befinden, kann das Training nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden: «Vor allem Ersthundehalter waren während der Coronazeit auf sich alleine gestellt. Sie bekamen zu wenig Hilfe.» Als Folge davon entwickelten viele Hunde Verhaltensstörungen und wurden so zu Problemhunden. Das problematische Verhalten kann gemäss Kaiser nicht so einfach behoben werden: «Problemhunde haben heute ein Defizit, das man verbessern, aber nicht wiedergutmachen kann», so die Hundetrainerin.