Die Maske behindert Behinderte gleich doppelt
«Mit der Maskenpflicht im ÖV und später auch in den Läden sowie mit der Einführung des Homeoffice mache ich als Mutter eines erwachsenen, leicht behinderten Sohnes, diverse Beobachtungen, die mich aufhorchen lassen und traurig stimmen.» Das schreibt Denise Gerber aus Scuol in einem Leserbrief.
Konkret geht es darum, dass Gerbers Sohn aufgrund der Behinderung keine Maske tragen kann – und deswegen des Öfteren böse angeschaut oder gar beschimpft wird. Auch zu Handgreiflichkeiten sei es schon gekommen. Trotz eines Attests.
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Das ist ein Problem, bestätigt Robert Nutt. Er ist Beratungsleiter bei Pro Infirmis Graubünden. Die Zweigniederlassung in Chur ist regelmässig mit dieser «schwierigen Problematik» konfrontiert, wie Nutt auf Anfrage sagt. Letztlich sei es ein Interessenskonflikt; es gehe um den eigenen und um den Schutz der Öffentlichkeit. «Wir haben schon mehrfach gehört, dass wer im Bus keine Maske trägt, angesprochen oder als Corona-Kritiker abgestempelt wird.» Die Schutzmaskenpflicht im öffentlichen Raum ist laut Nutt für Menschen mit einer Behinderung teils ein grosses Problem.
Aber auch im Büro von Pro Infirmis in Chur stellt sich die Problematik, erzählt Nutt: «Wir haben im Team eine Frau mit einer Hörbehinderung. Sie ist darauf angewiesen, von Lippen lesen zu können. Dazu müssen jene Leute, die mit ihr sprechen, die Maske ablegen. Und diese Gegebenheit macht es für seine Mitarbeiterin und auch für das Gegenüber oftmals schwierig», so Nutt.