Das «Loch Linthal» ist wieder verschwunden
Der Linthaler Kraftwerksbesitzer Hans-Peter Keller zeigt sich nicht weltfremd: Auf dieser Welt sei alles möglich, sagt er und glaubt, dass sich ein ähnlicher Vorfall aber nicht mehr ereignen sollte.
Ende März klaffte auf dem unteren Parkplatz der Braunwaldbahn in Linthal plötzlich ein Loch. Eine rot-weiss markierte Absperrung warnte vor der Einsturz- und Absturzgefahr: Der Krater, im Volksmund «Loch Linthal» genannt, war vier Quadratmeter gross und zwei Meter tief. Mit der Betonung auf war, da er in der Zwischenzeit mit Erdmaterial aufgeschüttet wurde.
Das Loch hätte noch tiefer ausfallen können
Das mysteriöse Loch entpuppte sich in der Zwischenzeit nicht von Ausserirdischen, sondern von Menschenhand gemacht. Genauer gesagt von deren Maschinen, welche den Tunnel für die neue Druckleitung zwischen dem Kraftwerk Cotlan in Rüti und dem Wasserkraftwerk der Spinnerei Linthal AG bohrten, deren Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident Keller ist.
Licht in das Dunkel brachte Hans-Peter Keller, der gegenüber der «Südostschweiz» betonte, es sei nicht unüblich, dass es bei solchen Bohrungen sogenannte Tagesbrüche gebe. Als Tagesbruch bezeichnet man einen Bergschaden, der nach Verbrüchen im Untergrund bis an die Erdoberfläche durchbricht. Oft würden diese während des Vortriebs erkannt und ausgeglichen, meint Keller. Doch: «Im vorliegenden Fall mag wohl ein Hohlraum aus der Vortriebszeit nun durch Schmelzwasser eingebrochen sein.» Das Loch hätte auch noch tiefer als zwei Meter ausfallen können. Die neuerstellte Druckleitung liegt dort laut Keller acht Meter unter Grund.
Aus der Zeit zwischen 1840 und 1920 bestünden noch unterirdische Wasserkanäle, die damals schon zur Nutzung der Wasserkraft für die Spinnerei Brummbach von Heinrich Kunz erstellt worden seien, erklärt Keller weiter. Diese seien aber in einwandfreiem Zustand und werden teils noch genutzt.