Engadiner Tracht - Sinnbild für Migration
Schön ist sie, die traditionelle Engadiner Festtagstracht. Dieses leuchtende Rot, diese filigran gestickten Nelken, die feine weisse Spitze. Schön ist auch die Frau, die sie trägt. Diese vollen Lippen, dieses krause Haar, diese dunkle, samtene Haut. «Culture Clash» heisst das aktuelle Fotoprojekt von Gian Giovanoli. Kulturzusammenstoss. Dabei sind seine Bilder mit den zwei fremdländisch wirkenden Frauen in Engadiner Tracht der Inbegriff von Kulturvermischung – im besten Sinne des Wortes. Zu sehen sind die Fotos seit Sommeranfang in «L’Atelier» im Zentrum von Pontresina.
Die Heimat und das Fremde
Die Heimat und das Reisen, das sind die Hauptthemen im künstlerischen Werk von Gian. Die Heimat, das sind das Bergell und das Engadin. Die Fremde sind Länder wie Iran, Nordäthiopien oder Indien, welche der Fotograf schon bereist hat. Überall sei er von grosszügigen und freundlichen Menschen empfangen worden, ohne Vorurteile, ohne Distanz. «Das Reisen öffnet die Augen für fremde Kulturen», sagt Gian. Daher liege ihm auch die Bilderserie von «Culture Clash» so sehr am Herzen.
Josephine heisst die wunderschöne, dunkelhäutige Frau, die in der Engadiner Tracht posiert. «Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich automatisch den Impuls, Englisch mit ihr zu reden. Und dann antwortete sie mir im Thurgauer Dialekt», erinnert sich Gian. Josephine ist halb Ghanaerin und halb Schweizerin. Das andere Modell heisst Jasmin und ist halb Thailänderin und halb Schweizerin. Sie beide repräsentieren für den Fotografen sinnbildlich die aktuelle Realität. «Egal welche Wurzeln sie haben, ihre Heimat ist die Schweiz», sagt er. Die Schweiz sei mit Begriffen wie Tradition und Brauchtum behaftet. In «Culture Clash» treffen Tradition und Migration aufeinander.
Tradition und Migration
Auch die Engadiner Festtagstracht ist ein Produkt der Migration. Sie sind das Ergebnis einer langen Tradition von Schweizer Auswanderern. «Durch die Migration kann so viel Schönes entstehen», meint Giovanoli. Kulturen werden vermischt und entwickeln sich weiter. Dieser positive Aspekt werde in der aktuellen Migrationsdebatte völlig vernachlässigt.