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Graubünden

Der Doyen des Bündnerromanischen ist tot 

Jano Felice Pajarola
08.01.2024, 16:39 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Nur eineinhalb Monate nach seinem 100. Geburtstag ist er am Sonntagmorgen im Kantonsspital Graubünden an den Folgen eines Sturzes in seinem Churer Zuhause verstorben: Alexi Decurtins, der aus Trun stammende Sprachwissenschaftler und rätoromanische Lexikograf. Sein enger Freund Arnold Spescha, Mitherausgeber der zum 100. Geburtstag erschienenen Festschrift für den Jubilar, vermeldete Decurtins’ Tod am Montag in Absprache mit dessen Familie. Noch kurz vor seinem runden Geburtstag hatte der Doyen des Bündnerromanischen in einem ausführlichen Interview über den Zustand und die Zukunft seiner Muttersprache gesprochen.

Der 1923  geborene Decurtins hatte nach den Gymnasialjahren in Disentis in Zürich, Perugia und Paris Romanistik studiert. Bereits ab 1956 und bis 1988 war er Redaktor (ab 1975 Chefredaktor) beim gesamtromanischen Wörterbuchprojekt Dicziunari Rumantsch Grischun, von 1957 bis 1988 war er als Titularprofessor für rätoromanische Sprache und Kultur an der Universität Freiburg tätig. An der Kantonsschule in Chur unterrichtete Decurtins Französisch, Italienisch und Romanisch. Gemeinsam mit dem später verstorbenen Ramun Vieli schuf er das 1962 und 1975 in zwei Bänden erschienene Wörterbuch des Surselvischen, 2001 folgte der erweiterte «Niev Vocabulari Romontsch Sursilvan-Tudestg», 2012 ein vergleichendes Lexikon des Rätoromanischen. Er war Ehrenmitglied der Sprachvereinigung Romania, Ehrendoktor der Universität Bern und Bündner Kulturpreisträger 1991.

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