Schmitten hat entschieden, wo die Gemeinde den Heiratsantrag stellt
Der Gemeindevorstand von Schmitten hat es Anfang Juni beschlossen und diesen Mittwoch publik gemacht: Die Nachbargemeinde Davos erhält ein formelles Gesuch zur Aufnahme von Fusionsabklärungen. Grund für die Post nach Davos – und nicht etwa nach Albula/Alvra oder Bergün Filisur – ist das Ergebnis einer umfangreichen Umfrage unter den Schmittner Stimmberechtigten nach der Gemeindeversammlung von Ende April. Das Ziel des abgegebenen Fragebogens: Der Vorstand wollte in Erfahrung bringen, welche Lösungsansätze für die Zukunft der Gemeinde begrüsst werden und somit mehrheitsfähig sind.
Nur 4 Prozent lehnen eine Fusion völlig ab
Was der Gemeindevorstand von Schmitten in seiner Mitteilung zur Umfrage gleich zu Beginn festhält: Die Rücklaufquote ist mit 87 Prozent sehr hoch, von 158 Stimmberechtigten haben 138 eine Rückmeldung eingereicht. «Die Antworten geben ein repräsentatives Bild ab», bilanziert der Vorstand deshalb. Und eine Frage wurde überaus deutlich beantwortet: Rund 84 Prozent stehen einer Fusion positiv gegenüber. Weitere 12 Prozent stellen sich neutral zu einem Zusammenschluss, nur 4 Prozent lehnen eine Fusion gänzlich ab.
Für Davos sind 56 Prozent der Antwortenden
«Etwas weniger deutlich waren erwartungsgemäss die Rückmeldungen zur favorisierten Gemeinde, mit der eine Fusion angegangen werden soll», heisst es in der Mitteilung weiter – Schmitten hätte wie erwähnt gleich drei Möglichkeiten. Auf Rang 1 gelandet ist mit 56 Prozent Davos; immerhin 39 Prozent könnten sich einen Zusammenschluss mit Albula/Alvra vorstellen, eine Heirat mit Bergün Filisur hingegen favorisieren nur 5 Prozent. Sowohl Albula/Alvra als auch Bergün Filisur werden aber über die Ergebnisse der Umfrage informiert, wie der Vorstand betont. Der Exekutive sei es «ein grosses Anliegen, auch künftig die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu pflegen».
Immerhin: Es gibt offenbar Amtswillige
Erwartungsgemäss keine valable Option für die Verbesserung der Lage von Schmitten ist eine Steuerfusserhöhung – sie wurde schon im April kritisch bewertet, und auch in der Umfrage waren nun lediglich 13 Personen zu einem solchen Schritt bereit, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Einen Silberstreifen am Horizont habe aber die Frage zu einem möglichen Engagement im Gemeindevorstand ergeben. Immerhin neun Personen könnten es sich vorstellen, in der Exekutive mitzutun – damit könnte die nach wie vor bestehende Vakanz im Gremium behoben werden. Ob dieser Bereitschaftserklärung auch Taten folgen würden, werde man an der nächsten Gemeindeversammlung sehen. Die Wahl eines zusätzlichen Vorstandsmitglieds soll dann erneut traktandiert werden.
Kanton könnte Fusion mit Davos akzeptieren
Was sagt man beim kantonalen Amt für Gemeinden zu einer möglichen Fusion von Schmitten mit Davos – also über den bisher geltenden Förderraum hinaus? «Letztlich», erklärt Amtsvertreter Simon Theus, «ist es an der Regierung, im Rahmen der Fusionsförderung einen förderraumübergreifenden Betrag zu sprechen.» Und das auch erst, nachdem man die Nachbargemeinden angehört habe. Angesichts des Urteils des Verwaltungsgerichts vom April 2022 zur Beschulung der Schmittner Kinder habe sich die Ausgangslage allerdings verändert: Laut Theus könnte der Kanton eine Fusion mit Davos akzeptieren, auch wenn er Schmitten nach wie vor als Teil des Albulatals sehe.