Keine Totenstille: So läuft es im Berghotel «Valbella Resort» zwischen den Saisons | Südostschweiz
Graubünden
Keine Totenstille: So läuft es im Berghotel «Valbella Resort» zwischen den Saisons
Das «Valbella Resort» auf der Lenzerheide ist im Moment in der Zwischensaison. Wie erlebt die Hotellerie die Zeit zwischen Sommer und Winter? Der Gastgeber lüftet ein Geheimnis.
Zweimal fällt sie in den Tiefschlaf, zweimal wird sie wieder geweckt. Die Hotellerie in den Bergregionen. Im Winter lockt das Skifahren, im Sommer die Bikestrecken und Wanderwege. Nur in den Monaten dazwischen, im Frühling und im Herbst, bleiben die Gäste aus. Viele Hotels schliessen in der sogenannten Zwischensaison. Aber längst nicht alle, wie etwa das «Valbella Resort» auf der Lenzerheide. Der Hotelkomplex in der beliebten Bündner Ferienregion bleibt auch dann geöffnet, wenn die Bergbahnen ihren Betrieb runterfahren, Regen und bunte Bäume die Landschaft prägen, es zum Biken zu nass ist und zum Skifahren noch zu wenig Schnee hat. Wie das möglich ist? Gastgeber Thomas Vogt lüftet das Geheimnis.
«Es ist Bewegung da»
«Es ist noch nicht lange so. Als meine Frau und ich das Hotel vor 25 Jahren übernommen haben, waren wir jahrelang ein klassischer Zweisaisonbetrieb», erinnert sich Thomas Vogt. In dieser Zeit hielten sie das Hotel während der Zwischensaisons im Herbst und im Frühling geschlossen. Heute schliesst es nur noch im Frühjahr kurz für vier Wochen, um wichtige Wartungs- und Reinigungsarbeiten vorzunehmen. Dass es im Oktober und November aber geöffnet bleibt, hat einen speziellen Grund: «Vor zehn Jahren lief hier oben in den Herbstmonaten gar nichts, man hat fast kein Hotel gefunden, das in jenen Wochen offen hatte», blickt der Hotelier zurück. Inzwischen seien es aber gleich mehrere Betriebe, die nicht schliessen. «Der Trend geht in diese Richtung. Nicht nur hier bei uns, sondern im ganzen Kanton», stellt Thomas Vogt fest. Damit diese Entwicklung möglich ist, müssen viele Zahnräder ineinander greifen. «Als die Hotels langsam begannen, geöffnet zu bleiben, haben beispielsweise die Bergbahnen mitgezogen und ihren Fahrplan auch angepasst. Während sie früher den Betrieb vor dem Winter komplett einstellten, fahren sie heute an den Wochenenden weiter», schildert der Hotelleiter. «Dies hat dann im Gegenzug uns wieder befeuert und wir alle zusammen haben gemerkt, dass es möglich ist, die Lenzerheide in den Herbstmonaten zu beleben.»
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Wir haben gemerkt, dass es möglich ist, die Lenzerheide in den Herbstmonaten zu beleben.»
Thomas Vogt, Gastgeber im «Valbella Resort»
Ein weiterer grosser Faktor, der es möglich macht, über die Zwischensaison Gäste zu empfangen, ist die Arbeit der Gemeinde. «Die Gemeinde hilft uns, indem sie Sportbusse einsetzt, die Öffentlichkeit sauber hält, nicht überall mit Baustellen die Strasse blockiert oder ihre eigenen Angebote, wie das Sportzentrum, geöffnet lässt», lobt Thomas Vogt. Und es nützt: «Heute ist Ende Oktober, wir haben Gäste im Hotel und es läuft etwas. Es ist Bewegung da.» Um die Zwischensaison für die Reisenden attraktiv zu halten, braucht es alle Leistungsträger. «Alleine schafft das niemand. Das Schöne daran: Wenn neue Betriebe offen sind, befruchtet das grundsätzlich immer auch die anderen», freut sich der Manager des «Valbella Resorts».
Der schmale Grat
Und dennoch: Von selbst kommen die Gäste auch dann nicht. Es braucht Investitionen, damit das Hotel für die Zwischensaison geeignet ist. «Wir hatten das Glück, eine Wellnessanlage bauen zu können. Das ist in dieser Zeit ein grosser Vorteil», sagt Thomas Vogt und zeigt nach draussen auf das Haus nebenan, in dem sich Sauna, Dampfbad und Co. befinden. Es sei kein Geheimnis, dass rundherum saisonbedingt weniger läuft und deshalb Wellness sehr gefragt ist. Auch von der Lage auf der Lenzerheide versucht das «Valbella Resort» zu profitieren.
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Man stellt sich vor, im Unterland hängt der Nebel, während die Gäste hier bei uns über dem Nebelmeer schweben können.»
Thomas Vogt, Gastgeber im «Valbella Resort»
«Man stellt sich vor, im Unterland hängt der Nebel und schlechtes Wetter, während die Gäste hier bei uns über dem Nebelmeer schweben können», schwärmt der Gastgeber. Die Zwischensaison bleibt aber eine schwierige Zeit für die Hotellerie. «Grundsätzlich ist der Monat in der Buchhaltung immer noch rot. Man hat zu hohe Kosten im Verhältnis zu den Einnahmen», rechnet Thomas Vogt aus. Obwohl dies immer besser wird, lohnt es sich nicht, den vollständigen Betrieb aufrechtzuerhalten. «Das ist die Kunst. Hier das richtige Mass zu finden, sodass es den Gästen nicht auffällt. Alles braucht man nämlich nicht, aber wer das Angebot zu schmal hält, verärgert die Kundschaft, die dafür bezahlt hat», erläutert der Fachmann.
Die Profiteure
Das «Valbella Resort» verfolgt in dieser Hinsicht eine klare Linie. «Wir möchten einen normalen Preis verlangen und auch die entsprechenden Leistungen bieten. Das muss sein, denn so entwickeln sich die Übergangsmonate in eine gute Zeit für die Bündner Hotels», hofft Thomas Vogt. Von einer guten Zwischensaison profitiert nicht nur er als Geschäftsführer, sondern auch die Belegschaft. «Wenn es gut läuft und wir geöffnet bleiben können, kann ich den Mitarbeitenden Jahresverträge anbieten.» Er habe dann mehr Arbeit, weniger Fluktuation im Haus und stabilere Anstellungsverhältnisse. Ein weiterer Vorteil: Wer die Zwischensaison durchmacht, spart auch Geld. Denn ein Hotel zweimal im Jahr zu schliessen, ist teuer. «Du musst alles herunterfahren, putzen und reinigen. Nach vier Wochen kommt man wieder zurück und alles muss noch einmal geputzt und gereinigt werden», spricht Thomas Vogt aus Erfahrung. «Ausserdem hast du neue Leute und musst sie wieder einschulen, das kostet Geld. Zweimal im Jahr!», so der Gastgeber weiter.
Es gibt noch einen Grund, warum sich das Hotel auf der Lenzerheide für den Betrieb während der Zwischensaison entschieden hat. Obwohl die Menge an Gästen und Personal abnimmt und die Arbeit etwas ruhiger ist, bleibt das Team im Rhythmus. «Wir bleiben warm für den Winter und müssen keinen Kaltstart hinlegen, sobald die Skisaison beginnt.» Für Thomas Vogt überwiegen die Vorteile ganz klar die fehlende Rendite. «Das können wir dann mit den guten Sommer- und Wintermonaten wieder ausgleichen», schliesst der Hotelier seine Argumentation ab.
Bündner Spezialität
Solche Schwankungen sind nichts Neues im Gastrobusiness. «Es ist keine Laufbandarbeit und jeder Tag bringt neue Aufgaben und Herausforderungen», beschreibt Thomas Vogt den Hotelalltag. In den Bündner Bergen ist dies allerdings besonders speziell. Das «Valbella Resort» beherbergt 85 Prozent inländische Touristen und Touristinnen und ist somit stark von den Ferienwochen geprägt. Hotels in den Städten oder Bergregionen mit vielen internationalen Gästen sind davon weniger betroffen. «Dort kennt man so etwas wie Zwischensaison kaum. Die sind immer ungefähr gleich ausgelastet und haben es ein bisschen einfacher bei der Planung», weiss der Gastgeber. Im Unterschied zu städtischen Betrieben müssten Hotels in den Bündner Bergen zudem auf zwei Jahreszeiten vorbereitet sein. «Die Infrastruktur für den Sommer, aber auch für den Winter muss vorhanden sein. Es sind Investitionen in beide Richtungen nötig und das ist nicht immer einfach», verdeutlicht Thomas Vogt.
Die Gäste der Zwischensaison
Investiert wurde auch beim «Valbella Resort». Mittlerweile gehören drei Häuser mit insgesamt 121 Zimmern, 380 Betten und 60'000 jährlichen Logiernächten dazu. Um diese Herkulesaufgabe zu bewältigen, sind während Spitzenzeiten im Februar bis zu 165 Mitarbeitende im Einsatz. In der jetzigen Zeit sind es etwas weniger, denn es logieren aktuell hauptsächlich Seminarteilnehmende, Eltern mit Vorschulkindern und Ruhesuchende im Hotel auf der Lenzerheide. Diese Tatsache hat das «Valbella Resort» seiner Strategie zu verdanken. «Auch während der Hauptsaisons haben wir uns eigentlich nie darauf festgesetzt, wer unsere Gäste sind, und immer ein bisschen alles gemacht. Das hat geholfen», ist der Hotelier froh.
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Wenn der erste Schnee kommt, müssen wir bereit sein.»
Thomas Vogt, Gastgeber im «Valbella Resort»
Nur mit Familien oder nur mit Seminaren wäre ein Betrieb in der Zwischensaison wohl kaum möglich. Die breite Palette bringt aber auch Herausforderungen mit sich. «Wir müssen für alles gewappnet sein und auch beim Marketing die unterschiedlichen Zielgruppen abholen», zeigt Thomas Vogt auf. Während die Sales-Abteilung bei der Akquise bereits ans nächste Jahr denkt, bereitet sich das Hotelpersonal jetzt erst mal auf den Winter vor. Die Sommerinfrastruktur wird zurückgebaut, die Terrasse schneegerecht gemacht, der Kamin geputzt und die Heizung überprüft. «Wenn der erste Schnee kommt, müssen wir bereit sein», ermahnt der Hotelleiter. Viele Mitarbeitende nutzen die ruhigere Zeit auch für Ferien, um danach mit voller Energie in die Wintersaison zu starten. Im «Valbella Resort» herrscht die prickelnde Ruhe vor dem Sturm.
Empfehlung des Hoteliers
Eine Ruhe, die auch die Hotelgäste ausnutzen können. Es ist kein Mythos, dass die Übernachtungspreise in der Zwischensaison um mehrere hundert Franken sinken können. Grund dafür ist das dynamische System. «Heutzutage ein Standard und auch vollkommen sinnvoll. Weniger Nachfrage gleich günstigere Preise», erklärt Thomas Vogt. Und für wen lohnt sich ein Besuch in der Zwischensaison? «Wer Ruhe will, kommt jetzt», antwortet der Hotelier und lacht. Dermassen ruhig wie jetzt sei es im «Valbella Resort» nur während der Zwischensaison im Herbst. Personen, denen es familiär und geschäftlich möglich ist, empfiehlt der Hotelfachmann geradezu, ihre Ferien dann zu machen. Zu einer Zeit, in der der Tourismus in den Bündner Bergen abnimmt, die Hotels tief in den Vorbereitungen stecken – und das Ganze in einer Branche, die von Schwankungen geprägt ist. «Jetzt heisst es noch ein bisschen die Ruhe geniessen und dann – Boom! – freuen wir uns auf die bevorstehende Skisaison», sagt Thomas Vogt und lächelt zufrieden