Das Bauchgefühl als oberstes Gebot beim Gleitschirmfliegen
Das Wetter mag noch etwas unbeständig sein, doch langsam, aber sicher hat der Frühling Einzug gehalten. Die steigenden Temperaturen ermöglichen den Gleitschirmfliegerinnen und -fliegern den Start in die Frühlingssaison. So erhaben ihre Erscheinung in den Bündner Tälern auch daherkommen mag: Eine solch risikobehaftete Aktivität kommt nicht immer ohne Unfälle aus. So geschehen am Ostersonntag, als sich ein 29-jähriger Gleitschirmpilot in Parsonz beim missglückten Landeanflug mittelschwere Verletzungen zuzog.
Dass sich unschöne Zwischenfälle nicht gänzlich verhindern lassen, weiss auch Daniel Flohr. Doch als Inhaber der Gleitschirmflugschule Air-active in Sagogn kennt er sich bestens mit den Mitteln aus, die Zahl und Schwere der Unfälle möglichst zu verringern. In seiner Ausbildung zum Gleitschirmpiloten erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer das nötige theoretische und praktische Rüstzeug, um sich weitgehend sicher durch die Lüfte zu bewegen.
Tagesform berücksichtigen
Sein oberstes Gebot hat indes nichts mit den technischen Fertigkeiten zu tun, wie er im Interview mit Radio Südostschweiz verrät. «Das Bauchgefühl sollte man nicht übergehen», mahnt Flohr, das sei «ziemlich entscheidend in unserem Bereich». Wie geschmeidig ein Gleitschirmpilot in Richtung Tal segelt, hängt nämlich von der Tagesform ab. «An einem Tag kann man sehr gut fliegen und hat kein Problem mit turbulenter Luftmasse, an einem anderen Tag fühlt man sich unwohl.» In letzterem Fall solle man unbedingt landen gehen – oder gar nicht erst fliegen.
Was die Zahl der Zwischenfälle betrifft, lässt sich eine Analogie zum allgemeinen Flugverkehr konstatieren: Start und Landung sind am gefährlichsten. «Grundlegend passieren in der Luft relativ wenige Unfälle.» Wenn es doch zu einem Unfall während der Zeit in der Luft kommt, so geschieht dieser zumeist aus zwei Gründen: «Die eine Situation ergibt sich, wenn man den Schirm seitlich einklappt, er dadurch hängen bleibt und in einen sogenannten Spiralsturz übergeht.» Der zweite Fall betrifft die Phase vor dem Landeanflug. «Wer einseitig zu stark bremst, riskiert einen Strömungsabriss», erläutert der Fachmann.