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Graubünden

Endlich Schluss damit: Wer im Postauto über den Lukmanier fährt, muss nicht mehr umsteigen

Eine langjährige Pendenz im Passverkehr ist erledigt. Ab dem 14. Juni gibt es erstmals direkte Busverbindungen zwischen Disentis und Biasca. Das bringt deutliche Verbesserungen für die Fahrgäste.
Jano Felice Pajarola
06.06.2025, 16:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Er braucht 1 Stunde und 53 Minuten und verkehrt pro Richtung viermal täglich, um 8 und 10 Uhr morgens sowie um 14 und 16 Uhr nachmittags: der neue Bus 140 zwischen Disentis und dem Tessiner Ort Biasca. Was im Fahrplan relativ unspektakulär wirkt, gilt in Tat und Wahrheit als «Meilenstein für die regionale Mobilität» – so jedenfalls schreibt es die Organisation Pro Lucmagn, die sich seit einem Vierteljahrhundert für die Winteröffnung des Lukmanierpasses engagiert. Was ist so besonders an der Busverbindung, die am Samstag, 14. Juni, den Betrieb aufnimmt?

1. Umständliches Umsteigen ist passé

Mit dem Bus 140 gibt es zum ersten Mal eine durchgehende Verbindung des öffentlichen Verkehrs (ÖV) über den Lukmanierpass. Bis jetzt war es so, dass die Passagiere beim Hospiz auf der Passhöhe umsteigen mussten: Vom Postauto auf Bündner Seite des Lukmaniers galt es in den Bus der Autolinee Bleniesi SA auf der Tessiner Seite wechseln – und umgekehrt. Damit verbunden waren Pausen und Zeitverlust. Und wer bislang von Disentis via Lukmanier bis zum Bahnhof Biasca und damit zu den Bahnanschlüssen ins Tessin gelangen wollte, musste sogar auf der Passhöhe und in Olivone umsteigen. Die Fahrzeit total: gut zweieinhalb Stunden – und damit gleich viel wie per Bahn über den Oberalppass nach Andermatt und dann via Göschenen und den Gotthard-Scheiteltunnel nach Biasca. Dabei ist diese Strecke kilometermässig mehr als doppelt so lang.

2. Ein lang gehegter Wunsch wird erfüllt

Zwei Kantone und dazu auch noch zwei Betreibergesellschaften für den Bus – diese etwas komplizierte Situation hatte eine schlanke Lösung jahrelang verzögert. «Es ist nicht immer einfach», hatte Pro-Lucmagn-Präsident Martin Candinas noch 2023 im Interview festgestellt. Aber es werde sich bald bessern: «Das Ziel wäre eine gute Verbindung im Sommer, und in einem zweiten Schritt müsste man das dann auf den Winter ausdehnen.» So wurde es nun auch umgesetzt: Die direkten Kurse zwischen Disentis und Biasca werden zunächst während des Sommers betrieben, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Langfristig soll das Angebot aber ausgeweitet werden. «In Zukunft könnte es – ähnlich wie am San Bernardino – ganzjährig genutzt werden», so der Tessiner Regierungsrat Claudio Zali in der Mitteilung.

3. Nord und Süd rücken näher zusammen

Dass die beiden Kantone und die Transportunternehmungen nun eine Zusammenarbeit im Passverkehr aufbauen konnten, ist nicht zuletzt der Pro Lucmagn zu verdanken. «Der Verein setzt sich seit Jahren auch für bessere ÖV-Verbindungen über den Lukmanier ein», betont Candinas. Mit der Einführung der umsteigefreien Kurse sei nun ein entscheidender Schritt hin zu einem zeitgemässen, vernetzten öffentlichen Verkehr zwischen der Surselva und dem Bleniotal gelungen. «Und es ist mehr als bloss ein praktisches ÖV-Angebot», sekundiert die Bündner Regierungsrätin Carmelia Maissen in der Mitteilung: Die Verbindung sei eine «kulturelle Brücke» zwischen Nord und Süd, «zwischen romanischer und italienischer Lebensart». «Sie bringt die beiden Kantone näher zusammen», so Marco Lüthi, Leiter Markt und Kunden bei Postauto Schweiz.

4. Die Billette werden günstiger

Die Direktverbindung Disentis–Biasca und umgekehrt sorgt nicht nur für eine Fahrzeit von weniger als zwei Stunden: Dank der Integration der Linie in den Tessiner und Misoxer Tarifverbund Arcobaleno vergünstigen sich auch die Billettpreise. Und zusätzlich zu den direkten Kursen wird es Angebote wie Mehrpässe-Rundfahrten zu Sonderkonditionen geben. Damit möchte man das touristische Potenzial der Region optimal nutzen und auf dieser Basis weitere Investitionen in den Ausbau des ÖV tätigen können.