Der Jäger braucht eine neue Waffe – und keine, die mit Kugeln schiesst
Der Disclaimer gleich vorneweg, und zwar zur Klärung meiner Betroffenheit. Nicht wie jene wenigen Exponenten im Bundesparlament, die ihre Interessensbindungen nur gerade dann (und natürlich rein zufällig jeweils in den letzten Monaten vor den Wahlen) offenlegen, wenn es einen direkten Nutzen bringt: Ich entstamme einer Familie mit grosser Jagdbegeisterung und -tradition. Eine Jägerfamilie aber, der kollektiv der neudeutsche Facepalm ins Gesicht wächst, wenn sie von Fällen wie jenem in Chur oder in Vicosoprano erfährt. Zu den Fakten geht es übrigens hier und hier lang.
Mancher fragt sich: Wie kann man nur? Und zurecht. Der eine schiesst auf Churer Innenstadtgebiet zwei Rehe, der andere verfehlt ein Hirschtier, das sich in direkter Schusslinie mit einem Sportplatz befindet, auf dem gerade Kinder trainieren. Termindruck, weil die Beuteliste immer noch leer ist und die Jagd schon diesen Sonntag endet? Womöglich, wer weiss das schon. Es ist eine Frage, die schnell im Raum steht. Aber es ist auch eine reine Mutmassung, die sich nach jetzigem Wissensstand nicht verifizieren lässt.
Doch das Warum ist überhaupt nicht der springende Punkt. Denn absolut nichts rechtfertigt es, Unbeteiligte bei der Ausübung der Jagd auch nur ansatzweise zu gefährden. Unfälle passieren, auch auf der Jagd. Die bewusste Jagd auf Tiere in einem Gebiet, wo Menschen leben oder ihrer Freizeit nachgehen… Falls etwas schief geht, hat das nichts mit einem Unfall zu tun. Wenn etwas Schlimmes passiert, ist nämlich zumindest der Eventualvorsatz rechtlich zu prüfen. Mit Unfällen oder Pech oder irgendwas dergleichen, hätte ein solches Worst-Case-Szenario nichts zu tun. Nur mit Egoismus, Habsucht und Dummheit.