Die «Südostschweiz» hat korrekt über die Braunwalder Chefärztin berichtet
Ein Bericht in den «Glarner Nachrichten» von Ende Februar über einen Strafprozess vor dem Kantonsgericht hat zu einer Beschwerde beim Schweizer Presserat geführt. Vor Gericht stand damals als Beschuldigte die ehemalige Chefärztin der Rehaklinik Braunwald. Ihr wurde vorgeworfen, im Jahr 2021 die Massnahmen gegen Corona in der Klinik nicht korrekt umgesetzt zu haben.
Der Beschwerdeführer vor dem Presserat, der nicht Teil der Berichterstattung war, rügte, die Chefärztin sei durch den Artikel identifizierbar gewesen. Dies widerspreche dem im Journalistenkodex geforderten Schutz der Privatsphäre. Im Kodex heisst es: «Bei der Gerichtsberichterstattung wägen Journalistinnen und Journalisten Namensnennung und identifizierende Berichterstattung besonders sorgfältig ab.» In der Regel werden in der Gerichtsberichterstattung die beteiligten Personen unkenntlich gemacht. Nur in Ausnahmefällen wird von diesem Grundsatz abgewichen.
Zwar wurden im Artikel in den «Glarner Nachrichten» nur die Funktion und der Arbeitsort, nicht aber der Name der Chefärztin genannt. Aber die Angaben im Text würden die Identifizierung leicht machen, so der Beschwerdeführer. Die Leser würden geradezu gereizt, herauszufinden, um wen es sich handle.
Es besteht ein öffentliches Interesse
Der Presserat hat die Beschwerde kürzlich abgewiesen, der Journalistenkodex sei nicht verletzt worden. Eine identifizierende Berichterstattung sei unter Umständen zulässig, «so wenn die Betroffenen eine gesellschaftlich leitende Funktion einnehmen und in diesem Zusammenhang über sie berichtet wird». Dies sei hier der Fall: «Eine Chefärztin und Klinikdirektorin hat eine gesellschaftlich leitende Funktion inne», so der Presserat. Auch bestehe ein öffentliches Interesse an der Berichterstattung über die Coronaschutzmassnahmen in einer Klinik. «Es muss in einem Text, in dem es um die Verantwortung einer Chefärztin geht, möglich sein, deren Funktion zu nennen», so der Presserat.