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Glarus

Fast keine Männer mehr: Die Glarner Mehrkämpferin Liana Trümpi beschreitet neue Wege

Südostschweiz
14.01.2025, 10:40 Uhr
12.05.2026, 16:56 Uhr

Liana Trümpi ist multitalentiert. Drei Qualitäten zeichnen die 20-Jährige aus Glarus besonders aus: Sie ist schnell, sprungkräftig und sie adaptiert Bewegungsabläufe im Nu. Mitunter ermöglichte dies, dass sie sich bereits vor zwei Jahren unter den besten Mehrkämpferinnen ihres Doppel-Jahrgangs behauptete und dem Schweizer Team an den U20-Europameisterschaften in Jerusalem angehörte – notabene in ihrer erst dritten Saison als Siebenkämpferin.

Im vergangenen Oktober vollzog die Vielgelobte nach einer durchzogenen Saison einen weiteren Schritt: Sie wechselte Trainer und Trainingsumfeld. Bis Ende Sommer hatten sie ihr Vater Simon Trümpi – früher selbst Mehrkämpfer – sowie der ehemalige Zehnkampf-Nationaltrainer Markus Bucher gefördert. Allein unter Trümpi und in der Männergruppe trainierte sie – in Glarus oder in Buttikon-Schübelbach.

Nun trägt Manuel Evangelista die Verantwortung. Am Nationalen Leistungszentrum in Zürich kümmert er sich unter anderem um die Mehrkämpferinnen. Die Anfrage aus Glarus erreichte Evangelista, weil Trümpi in einer reinen Frauengruppe weiterkommen wollte und ihre ehemaligen Trainer einen solchen Schritt unterstützen. Und wichtig: Der Trainer und die Athletin haben sich bereits bei einigen Speer-Trainings vor der U20-EM letztes Jahr kennengelernt.

Starker Einstand

In Zürich und in der Gruppe von Evangelista fühlt sich Liana Trümpi wohl. Am letzten Dienstag kehrte sie mit ihren neuen Trainingskolleginnen und dem Trainer aus dem Trainingslager in Südafrika zurück. Und vier Tage später stieg sie in die Saison beim Hallen-Meeting im Letzigrund Zürich ein. Trotz müder Beine überzeugte sie: 8,82 Sekunden über 60 Meter Hürden und 1,65 Meter im Hochsprung.

Fundiertes Lob gab es auch vom neuen Trainer: «Die neuen Ansätze im Training zeigten bereits Wirkung und waren ersichtlich.» Auch wenn diese ersten Wettkampfergebnisse vage sind für Prognosen, die Devise ist klar: «Wir orientieren uns in Richtung 6000-Punkte-Marke im Siebenkampf und in Richtung U23-EM im norwegischen Bergen im Juli», so Evangelista.

Um eine klare Ansage handelt es sich also. Zufrieden zeigt sich auch Liana Trümpi. Schmunzelnd sagt sie: «Überrascht wäre der falsche Ausdruck, schliesslich kenne ich meine Trainingsleistungen.» Dennoch streicht sie hervor: «Ich bin glücklich, wie ich bereits habe performen können, wie gut es schon funktioniert mit dem neuen Erlernten.»

Pendeln nach Zürich

Ins Gewicht bei den Veränderungen fällt nicht zuletzt der neue Trainingsort Zürich. Zeitlich ist damit ein beträchtlicher Mehraufwand verbunden. Praktisch täglich nimmt Trümpi die Strecke von Glarus unter die Räder – mit dem Auto. Dazu sagt sie: «Für mich ist das kein Handicap.» In dieser Zeit stimmt sie sich ein, bereitet sie sich mental vor. Auf dem Heimweg regeneriert sie, «fährt hinunter», wie sie sagt.

Kein Problem sieht sie auch in einem weiteren Punkt, der zur Belastung werden könnte: dem Studium in Management und Recht in St. Gallen. «Ich studiere Teilzeit und bin nur am Montag und Dienstag vor Ort», sagt sie. Liana Trümpi verkörpert die Leichtigkeit. Sie selbst würde das so zwar nie in den Vordergrund stellen, Trainer Evangelista aber bescheinigt gerade dies in eindrücklichen Worten: «Liana ist eine Planungskönigin.»

Medaille im Hinterkopf

Sie selber lacht dazu und sagt: «Ein gewisses Zeitmanagement lernte ich früh kennen. Für mich ist das nichts Neues.» Und dass sie ihr neuer Trainer als «ungeschliffenen Diamanten» bezeichnet, motiviert sie zusätzlich. Sie selbst braucht zwar nicht diese Worte, aber auch sie ist vom Steigerungspotenzial überzeugt. «Mit soliden Leistungen und einer guten Vorbereitung sollte mein grosses Ziel Europameisterschaft erreichbar sein.»

Bereits am zweiten Februar-Wochenende kann sie weiteres Selbstvertrauen aufbauen. Dann gilt es ein erstes Mal ernst: an den Schweizer Hallen-Mehrkampf-Meisterschaften in Magglingen. Sogar eine Medaille bei der Elite scheint möglich.

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