Mangelhaft und dilettantisch, aber nach bestem Gewissen übers Ziel hinaus
Jetzt liegt er also vor, der erste Teilbericht der ersten PUK des Kantons Graubünden. Sie untersucht ja das Baukartell und alle damit zusammenhängenden Verflechtungen. In diesem ersten Bericht, ohne Anhang satte 173 Seiten stark, geht es allerdings «nur» um das Vorgehen der Kantonspolizei Graubünden gegenüber Informant Adam Quadroni. Und dabei kommt die Kapo ziemlich schlecht weg. Der damalige Postenchef im Unterengadin schien sich über Befugnisse hinwegzusetzen, im Alleingang psychologische Einstufungen vorzunehmen – die dem betroffenen Adam Quadroni seither nachhängen –, die inhaltlich zumindest zweifelhaft sind.
Da vernachlässigen die Vorgesetzten und Einsatzoffiziere der Kapo aufs anscheinend Sträflichste ihre Führungs- und Sorgfaltspflicht bei der Bewertung von Informationen, die ihnen zugetragen werden. Ein kritisches Nachfragen? Fehlanzeige. Informationen verifizieren? Denkste. Zweitmeinungen einholen oder Quellen überprüfen? Nichts da.
Und dann ist da eine Kesb, die trotz mehrfacher mündlicher Meldungen keine Veranlassung sieht, ein Verfahren im Fall der Familie Quadroni zu eröffnen. Ganz abgesehen davon, dass es im Unterengadin offenbar Usus ist, so lange wie möglich auf schriftliche Dokumentationen – Rapporte oder Protokolle – zu verzichten.
Beim Lesen des PUK-Berichts fragt man sich wiederholt: Kann das wirklich sein? Wie dilettantisch war denn dieses Behörden-Vorgehen? Wie unprofessionell wurde da gearbeitet und wie unfair schien Adam Quadroni vielfach behandelt worden zu sein?
Andererseits muss man auch würdigen, dass die involvierten Behörden-Vertreter dabei vielleicht nicht nach bestem Wissen, aber doch nach bestem Gewissen versucht haben, eine offensichtlich zerrüttete Familiensituation so zu behandeln, dass niemand zu Schaden kommt.
Vielleicht wurde dabei (mehr als einmal) übers Ziel hinausgeschossen, zum Leidwesen von Adam Quadroni. Aber man stelle sich vor, die gleichen Stellen – Polizei, Sozialdienste, Kesb – wären untätig geblieben und es wäre der schlimmstmögliche Fall eingetreten …