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Ereignisse

Erwärmung treibt Flora und Fauna in die Höhe

Die Auswirkungen des Klimawandels sind in aller Munde. Die Alpen gelten als sensibler Indikator für die Veränderungen der Erdtemperaturen. Im Schweizerischen Nationalpark wird seit Jahren zum Thema geforscht.
08.10.2017, 04:30 Uhr
19.05.2026, 12:10 Uhr

Es war ein Sommer mit vielen Murgängen in der Region des Schweizerischen Nationalparks. Besonders stark betroffen war die Val Mingèr. Fotos von 2013 und von 2017 zeigen ein komplett verändertes Bild des Tals. Die Frage, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Schweizerischen Nationalpark hat, wird gemäss Hans Lozza, Kommunikationsverantwortlicher SNP, häufig gestellt.

Die Antwort liefert eine Liste, die auf der Website www.nationalpark.ch nachgelesen werden kann. Sie umfasst zahlreiche Indizien, welche die Mitarbeiter zusammen mit der Forschungskommission aus verschiedenen Forschungsprojekten zusammengetragen haben. «Die Liste ist nicht abschliessend. Sie zeigt aber auf eindrückliche Weise, dass die Auswirkungen sehr gross sind», sagt Lozza.

Gletscher sind verschwunden

Eine Hauptaufgabe der Mitarbeiter des Schweizerischen Nationalparks ist es, zu dokumentieren, was im Parkgebiet passiert. Die Forschung erfolgt interdisziplinär, teilweise bereits seit 100 Jahren. «Deswegen haben die Ergebnisse auch eine gewisse Aussagekraft», meint Lozza. Ein Beispiel sind die Temperaturmessungen. Die Klimastation Buffalora (1968 m ü. M.) zeigt von 1917–2017 einen Anstieg der Durchschnittstemperatur um 1,1 (Herbst) bis 2,1 Grad (Frühling). Während die durchschnittliche Jahrestemperatur in Buffalora von 1961 bis 1991 –0,1 Grad betrug, waren es von 1981 bis 2017 bereits +0,7 Grad. Sämtliche Jahre seit 1985 waren wärmer als der Durchschnitt der letzten 100 Jahre.

Die gleiche Tendenz ist auch bei der Engadiner Jahrestemperatur feststellbar. Das Jahr 2016 gehört zu den zehn wärmsten seit Messbeginn 1864. Der Winter 2015/16 lieferte in Samedan die Rekordwärme von 3,3 Grad über der Norm. Alle Gletscher im Parkgebiet sind im Verlauf der vergangenen 100 Jahre verschwunden. Permafrost taut an vielen Stellen auf. Exemplarisch dokumentiert ist dies bei der Klimastation am Munt Chavagl, die mit Messfühlern in verschiedenen Tiefen ausgerüstet ist.

Die Tiere steigen in die Höhe

Die Klimaveränderung wirkt sich aber auch direkt auf die Flora und Fauna aus. Alpenschneehühner beispielsweise sind seit den Neunzigerjahren durchschnittlich 120 Meter weiter oben zu finden. Für den Schneehasen ist der Klimawandel ein Problem, da sein Lebensraum kleiner wird und die Population abnimmt. Modellrechnungen für den Alpenraum prognostizieren einen durchschnittlichen Lebensraumverlust von 35 Prozent bis ins Jahr 2100.

Drei der häufigsten Huftierarten der Alpen – Gämse, Steinbock und Rothirsch – haben ihre Aufenthaltsorte im Spätsommer/Herbst in grössere Höhen verlagert. Dies hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL nachgewiesen. Doch auch Schnecken, Schmetterlinge, Schrecken und andere Insekten zieht es in die Höhe. Die Alpen-Smaragdlibelle kommt heute auf der Seenplatte von Macun (2628 m ü. M.) in Weltrekordhöhe vor.

Es gibt mehr Pflanzenarten

Die Anzahl Pflanzenarten wird auf ausgewählten Gipfeln des Schweizerischen Nationalparks seit 100 Jahren erfasst. Eine erneute Inventur zeigt, dass die Artenzahl in der Zwischenzeit um durchschnittlich 44 Prozent zugenommen hat. Mit den steigenden Temperaturen können immer mehr Pflanzenarten in grössere Höhen vordringen – und sie verdrängen einheimische Pflanzen.

Die Klimaerwärmung findet statt – und die Konsequenzen davon sind vor unserer Haustüre nachweisbar. «Wir möchten diese konkreten Auswirkungen der Klimaerwärmung auch der Öffentlichkeit aufzeigen können», sagt Lozza. Deswegen nimmt der Schweizerische Nationalpark unter anderem an einem Projekt teil, welches virtuell erlebbar macht, was ein Anstieg von zwei Grad für die Umwelt bedeuten würde. Es handelt sich um ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Université Fribourg und der Zürcher Hochschule der Künste. In einem halben Jahr wird der Entscheid über die Finanzierung des Projekts gefällt.

Bis zum 8. Dezember wird im Nationalparkzentrum in Zernez die Ausstellung über die Klimaerwärmung «Alpen und hoher Norden – hoch hinaus oder in die Ferne schweifen?» gezeigt.

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