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Den «Rentner» in den Ruhestand schicken

Am Mittwoch hatte die Gemeinde zur Bekanntgabe des Siegers des Architekturwettbewerbs «Erweiterung Schulanlage Davos Platz» geladen. Das Rennen machte ein äusserst innovatives Konzept.

Barbara
Gassler
14.10.22 - 07:12 Uhr
Aus dem Leben
Zum Schluss seiner Ausführungen gab Köbi Gantenbein ein Ständchen zum besten.
Zum Schluss seiner Ausführungen gab Köbi Gantenbein ein Ständchen zum besten.
bg

Die Freude über den zukünftigen Bau kleidete Landrat Simi Valär in Worte. Davos baue weiter an der Bildung, sagte er. Erneuert werden soll der zu klein gewordene Mitteltrakt der Platzer Schule, in dem aktuell und zukünftig Schulverwaltung, Talentschule und Tagesstrukturen Platz finden. Es sei Zeit für Neues, war für den Vorsteher des Hochbau­departements klar: «Der Mitteltrakt hat seinen Dienst getan. Es ist Zeit, den rüstigen Rentner in den Ruhestand zu schicken.» So kam man am Mittwoch zum Abschluss des dafür lancierten Ideenwettbewerbs.

«Von den 31 Eingaben schlagen vier ein Haus vor, das aus dem Alten etwas Neues macht», schreibt die Jury in ihrem Bericht. Denn auch beim Bauen müsse die CO₂-Last markant gesenkt werden. «Dafür ist der Weg des Weiterbauens statt Abbruch und Neubau richtig. Neben CO₂ und Grauer Energie spielt auch der sinnvolle Umgang mit Ressourcen eine grosse Rolle. Was umgenutzt und weiterverwendet wird, muss nicht entsorgt werden.» Den Zuschlag für den Neubau des Zwischenbaus am Schulensemble am Platz erhielt dementsprechend das Projekt «Mälama». «Das Neue packt den Bestand unter einem umgekehrten ‹U› für Vorbauten und ein Geschoss ein», wird das Vorgehen des Darmstadter Büros Cura GbR beschrieben. «Der Zubau ist vom Bestand abgekoppelt, sodass dessen Betonschotten nicht ausgebaut werden müssen. Eine Holzfassade, die sich selber trägt, schliesst das Haus ab.» Die neuen hölzernen Bauteile könnten vorgängig gerüstet werden. Zusammen mit dem möglichst geringen Eingriff in die Substanz verkürze das die Bauzeit, und es entstünde weniger Baulärm, da viele Arbeiten im Inneren ausgeführt würden.

Fertig Ex und Hopp

Lobende Worte für den «Rentner», respektive dafür, was künftig daraus werden wird, fand auch Jurypräsident Köbi Gantenbein, der inzwischen zurückgetretene langjährige Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre»: «‹Mälama› steht in Hawaii für ‹das Gegebene wertschätzen›. Das ist doch ein schönes Motto für ein Schulhaus.» Vor allem aber stehe es dafür, möglichst viel vom alten Haus nutzen zu wollen, und sei eine Abkehr von der «Ex und Hopp»-Mentalität, die das Schweizer Baugewerbe trotz Klimakrise noch immer präge. «Es wäre keinem Walser Bauern eingefallen, alle paar Jahre seinen Stall und sein Haus abzubrechen und neu zu bauen», lobte Gantenbein das Wiederbeleben einer alten Tradition. Stück um Stück sei da geflickt, angepasst und weitergebaut worden. Mit «Mälama» würde ebenfalls möglichst viel des «Rentners» erhalten bleiben und sehr wenig abgebrochen. «Es ist ein kluger Umgang mit dem Bestehenden und ein Vorbild für die Zeit nach Ex und Hopp.»

Neutrales Urteil

In der Folge beschrieb Gantenbein in launigen Worten die über zwei Tage andauernde Juryarbeit. Das Beurteilen der Konzepte und das Feilschen um den einen oder anderen Vorteil eines Entwurfes. Wie in jeder Runde einige der 31 Vorschläge ausgemerzt worden seien, bis schliesslich nur noch zwei und dann nur noch ein Sieger übrig geblieben sei. Dabei betonte er, wie wichtig es sei, dass die Urheber der Projekte hinter Kennworten verborgen blieben. Das ermögliche es, die einzelnen Vorschläge in ihrer Gesamtheit und Qualität neutral zu beurteilen. «Es ist die Schönheit eines offenen Wettbewerbs, dass niemand weiss, wer hinter dem Projekt steht.»

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