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Wirtschaft

Bergkartoffeln haben jetzt einen Blog

Am vierten Bergkartoffelforum trafen sich Biobauern und Küchenchefs in Rapperswil. Ihr Ziel: Sie wollen fast vergessene Kartoffelsorten populär machen.
Jérôme Stern
06.11.2017, 21:14 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Im Hotel «Jakob» am Rapperswiler Hauptplatz, am Montag: Die Teilnehmer der vierten Kartoffelakademie treffen sich im Hotelsaal. Biobauern und Köche renommierter Restaurants, alle haben sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen uralte Bergkartoffelsorten bekannter machen und Konsumenten auf den Geschmack bringen. Die Köpfe hinter der Idee sind Patrick Honauer, Wirt des «Jakob», Freddy Christandl, Marketingfachmann, sowie Marcel Heinrich, Biobauer aus Filisur im Albulatal.

Ein harziger Anfang

Begonnen hat alles vor 15 Jahren. Damals hatte Heinrich ein Schlüsselerlebnis: «Ich musste meine Lieferung von Bergkartoffeln für ein Restaurant in eine Kiste voller Massenware aus Holland schütten.» Damals sei ihm schlagartig klar geworden, dass er jetzt etwas ändern müsse, so Heinrich. Er beschloss, alten Bergkartoffelsorten wie Parli, Röseler oder Prättigauer zu der Wertschätzung zu verhelfen, die sie seiner Meinung nach auch verdienten. «Die meisten Köche waren punkto Bergkartoffeln überfordert», sagt Heinrich. «Weder kannten sie spezielle Rezepte noch hatten sie eine Ahnung von der längeren Garzeit.»

Einer der wenigen Köche, die sich für die alten Kartoffelsorten interessierten, war Freddy Christandl, zu dieser Zeit Koch im «Krug» in Wollerau. Mehr noch, Christandl war derart begeistert, dass er die Vermarktung von Heinrichs Ernte übernahm. Zudem wollte er andere Köche mit der gemeinsamen Begeisterung anstecken und sie kulinarisch beraten.

Die überzeugten Anhänger

An der Veranstaltung am Montag spricht Heinrich über die Herausforderungen des «Kartoffeljahrs 2017». Es sei ein Jahr der schwierigen Entscheidungen gewesen. «Ende März fragte ich mich, ob ich schon mit der Aussaat beginnen sollte», so Heinrich. «Aber wenn der Boden im Albulatal warm ist, dann musst du pflanzen.» Die Zuhörer nicken verständnisvoll. Für sie ist Heinrich Pionier und Prediger zugleich – ohne ihn wüssten sie kaum etwas von den alten Kartoffelsorten.

Heinrich erzählt, wie im April ein Schneesturm die Felder zudeckte, «Kälte ist nicht weiter schlimm, mit Vlies können wir die Jungpflanzen schützen.» Schliesslich erwähnt Heinrich, dass der Mai warme Temperaturen brachte und er letztlich eine gute Ernte einfahren konnte.

Heinrichs Liebe zur Bergkartoffel führte dazu, dass er auf seinem Hof Führungen organisiert. Und er wurde Mentor für Bergbauern aus anderen Regionen, die es mit den alten Sorten probieren wollen. So zum Beispiel im Aostatal, wo Biobauern inzwischen erfolgreich Bergkartoffeln anbauen. Weil diese unbezahlte Hilfestellung durch Heinrich aber immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, haben die Mitglieder der Kartoffelakademie nun beschlossen, einen Fonds einzurichten.

Zudem wollen sie in einem Blog über Bergkartoffeln berichten. Für Heinrich ist klar, dass Bergkartoffeln eine Chance für Bergbauern bieten: «Sie wachsen viel besser in der Höhe, haben weniger Krankheiten – und bieten kulinarisch neue Möglichkeiten.» Den rund 50 Teilnehmern bot der Anlass Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Sie sind überzeugt, dass das Comeback der alten Kartoffelsorten erst jetzt so richtig beginnt.