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«Können zum jetzigen Zeitpunkt keine sichere Durchführung garantieren»

Wie Alois Zwinggi, Geschäftsführender Direktor des Weltwirtschaftsforums, gegenüber Radio Südostschweiz bestätigte, findet das Jahrestreffen im Januar 2021 nicht statt. Im Interview erklärt er, wie es dazu gekommen ist und wieso dieser Entscheid bereits fünf Monate vor dem geplanten Event fällt.

Südostschweiz
Mittwoch, 26. August 2020, 15:59 Uhr WEF im Januar 2021 abgesagt
Davos Platz Kongresszentrum World Economic Forum WEF
Das Jahrestreffen vom World Economic Forum im Januar 2021 in Davos wird frühzeitig abgesagt.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Findet das Weltwirtschaftsforum 2021 statt oder nicht?

Leider sind wir in Zusammenarbeit mit Experten zum Schluss gekommen, dass wir nicht in der Lage sein werden, im Januar 2021 in Davos das Jahrestreffen vom World Economic Forum durchzuführen. Die Situation vor Ort wie auch international hat uns klar aufgezeigt, dass das nicht der richtige Moment dafür wäre.

Das heisst, das WEF 2021 wird komplett gestrichen?

Im Januar in Davos wird es komplett gestrichen. Wir sind natürlich dabei, uns Gedanken zu machen, ob es allfällige Alternativen gibt später im Jahr. Das klären wir nun ab. Klar ist, dass der Termin vom Januar 2021 in Davos leider nicht stattfinden kann.

Es finden also auch keine Alternativen statt an diesem Datum? Es wurde ja darüber gesprochen, das Treffen vielleicht in reduziertem Rahmen durchzuführen.

Wir werden sicher virtuelle Komponenten haben, damit unsere Mitglieder, Partner und Organisationen, die jahrein und jahraus mit uns zusammenarbeiten, eine Möglichkeit haben, sich auszutauschen. Das wird aber lediglich im virtuellen Raum sein. Wir werden keine physischen Komponente haben.

Warum haben Sie entschieden, das Weltwirtschaftsforum in Davos abzusagen?

Wenn man die Entwicklung sowohl in der Schweiz wie auch weltweit anschaut, ist für uns klar, dass wir zurzeit nicht garantieren können, dass der Event sicher durchgeführt werden kann. Wir wissen nicht, wie im Januar die Reisesituation aussehen wird. Wir wissen auch nicht, wie die Bereitschaft der Leute sein wird, an einen Grossevent zu kommen. Wir möchten auch Davos sicher nicht in Gefahr bringen. Wir möchten sicherstellen, dass falls wir einen Event durchführen, dieser in den sichersten Umständen stattfindet, die möglich sind. Dazu sind wir im Moment einfach nicht in der Lage. Wir sind es auch unseren Partnern hier in der Schweiz – ich denke jetzt vor allem auch an die Sicherheitspartner – schuldig, dass wir zum richtigen Zeitpunkt die Entscheidung treffen, so dass alle planen können und vor allem auch keine Kosten verursacht werden.

Also zusammengefasst ist Corona verantwortlich, dass das WEF 2021 in Davos abgesagt wird?

Das ist korrekt. Ganz klar.

Also auch der Entscheid vom Bundesrat, ab dem 1. Oktober wieder Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmenden zuzulassen, verschafft Euch keine Planungssicherheit?

Nein, das tut es nicht. Der Grossteil der 3000 Teilnehmenden, auch wenn wir die Teilnehmerzahl verkleinern würden, kommt aus dem Ausland. Diese Situation und die Reisemöglichkeiten sind nicht sichergestellt. Wir glauben einfach nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, aufgrund der aktuellen gesundheitlichen Situation, einen Anlass in dieser Grösse mit einem solch internationalen Publikum durchzuführen.

Wie gross sind die finanziellen Einbussen für das WEF durch diese Absage?

Unsere finanzielle Situation ist nicht tangiert durch diese Absage, weil wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Kosten hatten. Wir haben schon sehr früh angefangen, die Situation mit unseren Partnern zu diskutieren und sie auch darauf vorbereitet, dass es allenfalls nicht möglich sein wird, den Anlass durchzuführen. Eine Absage hätte in diesem Sinne höchstens indirekte Konsequenzen gehabt. Es kann natürlich passieren, dass Partner dadurch abspringen und sagen, wenn das Jahrestreffen des World Economic Forums nicht stattfindet, möchten wir nicht Mitglied und Partner sein. Zum heutigen Zeitpunkt können wir auf jeden Fall keine finanziellen Verluste aufgrund dieser Absage ausmachen.

Der Tourismus in und um Davos ist natürlich direkt  von der Absage betroffen.

Wir bedauern natürlich, dass wir zu diesem Entscheid kommen mussten und wir wissen, dass der Tourismus aktuell im Allgemeinen eine schwierige Situation durchmacht. Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass wir jetzt schon wieder am Planen sind und hoffen, dass wir im Januar 2022 zurückkommen können. Dann würde es uns natürlich freuen, wieder mit den Partnern weiterzuarbeiten.

Bleibt das WEF 2022 bis 2024 in Davos?

Unsere Planung sieht ganz klar vor, dass das Jahrestreffen 2022 und in den folgenden Jahren wieder in Davos ist. Das wurde auch so mit der Gemeinde Davos und der Bündner Regierung diskutiert und besprochen. Wir wissen natürlich nicht, wie sich das Coronavirus und die Situation in der Schweiz und weltweit entwickeln wird. Unsere Absicht ist aber ganz klar, im Jahr 2022 wieder zurück in Davos zu sein.

Jetzt haben Sie gerade die Gemeinde Davos angesprochen. Wie hat diese auf den Entscheid der Absage reagiert?

Sie haben natürlich vollstes Verständnis in Davos. Es wird sicher ein weinendes Auge sein, weil wir einen namhaften, wirtschaftlichen Beitrag und auch einen Beitrag für die Marke Davos und die Werbung leisten. Auf der anderen Seite ist sicher auch ein gewisses Verständnis und vielleicht sogar eine positive Reaktion da, weil dadurch keine Gefahr für die Gemeinde Davos bestehen wird.

Wie sieht es mit dem Sicherheitswesen, also der Polizei und der Armee, aus? Haben Sie diese involvierten Personen und Institutionen informiert?

Ja, wir sind schon seit Monaten in sehr engem Kontakt mit der Kantonspolizei Graubünden, die die Oberverantwortung für die Sicherheit von jedem Jahrestreffen hat. Das ist sicher keine Überraschung für unsere Sicherheitspartner. In diesem Sinne ist es klar, dass sie schon sehr früh in den ganzen Entscheidungsprozess einbezogen wurden.

Das heisst, die Polizei und die Armee haben ihre Planungen schon seit längerer Zeit unterbrochen?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich nicht so nahe dran bin. Ich kann einfach sagen, dass wir schon im März begonnen haben, mit unseren Partnern zu diskutieren. Das ist mitunter ein Grund, weshalb wir jetzt im August den Entscheid fällen und kommunizieren können, damit eben keine Aufwände für unsere Sicherheitspartner entstehen.

Zum Schluss können wir sagen: Das WEF 2021 in Davos findet nicht statt, am Standort Davos wird aber festgehalten.

Das ist korrekt.

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