Weniger Milchkühe, aber nicht weniger Käse
Rund 533'000 Schweizer Milchkühe waren im Juli 2019 registriert. Laut dem landwirtschaftlichen Informationsdienst so wenige wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2012. «Auch in Graubünden haben wir einen Rückgang an Milchkühen zu verzeichnen», sagt Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbandes. Während schweizweit der tiefe Milchpreis und die gesteigerte Effizienz pro Kuh zu diesem Rückgang führten, hatte in Graubünden vor allem der Hitzesommer 2018 grosse Auswirkungen. «Er war sehr trocken, es gab sehr wenig Futter und ein Teil des Milchkuhbestandes musste reduziert werden», so Roffler.
Zudem würden im Kanton immer wieder Betriebe von Milchkühen auf Mutterkuhhaltung umsatteln. Das hat wiederum doch mit der Preissituation zu tun. «Die Preise und die Nachfrage auf dem Fleischmarkt stimmen. Damit kann man ein gutes Einkommen generieren», erklärt der Bauernpräsident. Auf dem Milchmarkt herrsche hingegen ein grosser Druck und die Preise seien zu tief.
Müssen wir auf Käse verzichten?
Bedeutet weniger Milchkühe auch weniger Milch und weniger Käse? Jein. «Gesamthaft dürfte der Milchertrag 2019 tiefer ausfallen als letztes Jahr», sagt Roffer. Auf den Alpen habe man aber weniger Auswirkungen gespürt und die Bestossung sei gut gewesen. Heisst, über den Sommer waren viele Milchkühe auf den Bündner Alpen. Mit einer Knappheit an Milchprodukten rechnet der Bauernpräsident also nicht. Sowieso sei der Markt sehr durchlässig und man helfe sich über die Kantonsgrenzen hinaus aus.
Trotz weniger Milch können Milchbauern in Graubünden auch aufatmen. Nicht nur die Nachfrage nach Bündner Milchprodukten, vor allem Bergkäse, stimmt, auch die Aufzucht, welche die Bündner Bauern neben der Milchzucht oft betreiben, rentiert. Die Zuchtviehpreise für Nutztiere im Milchwirtschaftssektor sind laut Roffler zurzeit gut und so können die aufgezogenen Tiere mit Profit in den Milchviehhandel verkauft werden.