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Junge und Alte brauchen am längsten finanzielle Unterstützung

In Graubünden bezogen 2017 2697 Bündnerinnen und Bündner Sozialhilfe. Leicht weniger als noch im Vorjahr. Zwei Altersgruppen sind besonders betroffen.

Südostschweiz
Mittwoch, 27. Februar 2019, 10:10 Uhr Sozialhilfe

Rund zwei Drittel der 2697 unterstützten Personen stehen aufgrund ihres Alters, ihrer familiären oder gesundheitlichen Situation oder ihrer Ausbildung vor grösseren Herausforderungen, ihre Erwerbssituation unmittelbar zu verbessern. Dies geht aus den aktuellsten Daten der Schweizerischen Sozialhilfestatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) für den Kanton Graubünden hervor. Gegenüber dem Jahr 2016 sind die Zahlen praktisch unverändert (minus 41 Personen).

Geraten Menschen in der Schweiz in eine finanzielle Notlage, können sie sich an die Sozialhilfe wenden. Sie ist das letzte Auffangnetz und garantiert das Existenzminimum, wenn der eigene Lohn, andere finanzielle Hilfen wie Arbeitslosengelder, Renten oder Stipendien nicht ausreichen, und auch Unterstützung durch Verwandte fehlt. Der Anteil an Personen, die im Kanton Graubünden in dieser Situation waren und durch die Sozialhilfe unterstützt wurden, blieb über die letzten 10 Jahre relativ konstant bei rund 1,2 bis 1,4 Prozent der Bevölkerung. Besonders häufig auf Unterstützung angewiesen waren wie bereits in den letzten Jahren Kinder und Jugendliche, Geschiedene, Ledige, Alleinerziehende und Personen, welche nicht über die notwendige Grundbildung verfügen.

Zu jung oder zu alt für den Arbeitsmarkt

Der einfachste Weg aus der Sozialhilfe führt über den Arbeitsmarkt. Eine Auswertung zu Personenmerkmalen, die eine erschwerte Arbeitsmarktintegration mit sich bringen zeigt, dass die bedeutendste Hürde für die Arbeitsmarktintegration das Alter der Sozialhilfebezüger ist. Es sind konkret zwei Gruppen, die aufgrund ihres Alters kaum Aussicht auf eine Stelle haben. Auf der einen Seite sind dies Kinder im Alter von 0 bis 17 Jahren. Sie sind zu jung, um einer regulären Arbeit nachzugehen und werden meistens mit ihren Eltern durch die Sozialhilfe unterstützt. 2017 waren 28 Prozent der Sozialhilfebeziehenden unter 18 Jahre alt. Auf der anderen Seite stehen Personen, die über 55 Jahre alt sind. 2017 waren 14 Prozent der Sozialhilfebeziehenden über 55 Jahre alt. Während über alle Alterskategorien Bündnerinnen und Bündner durchschnittlich während drei Jahren und drei Monaten Sozialhilfe beziehen, liegt die durchschnittliche Bezugsdauer der Personen der Alterskategorie 0 bis 17 Jahre sowie über 55 Jahre mit 3,5 bis 4 Jahren signifikant höher.

Drei weitere Gruppen haben Mühe

Drei weitere Gruppen sind mit höheren Herausforderungen bei der Integration in den Arbeitsmarkt konfrontiert. An erster Stelle stehen Alleinerziehende, die minderjährige Kinder betreuen. Sie können der geforderten Flexibilität des Arbeitsmarktes teilweise nicht rasch genug entsprechen. So können beispielsweise die fehlende, kurzfristige Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen oder Arbeitszeiten ausserhalb der Zeitfenster der Kinderbetreuungsangebote dazu führen, dass sie in der Stellenwahl zusätzlich eingeschränkt sind. Eine zweite Gruppe besteht aus Personen mit einem tiefen Ausbildungsgrad, die also weniger als sieben Jahre Schulzeit absolviert haben. Für diese Personen, welche nicht über die notwendige Grundbildung verfügen, ist es äusserst schwer in den Arbeitsmarkt, der zunehmend hochspezialisierte Fachkräfte verlangt, einzutreten. An dritter Stelle steht eine gemischte Gruppe, welche unter anderem aus gesundheitlichen Gründen geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat, bei der aber trotzdem kein Anspruch auf Unterstützung durch die Invaliditätsversicherung besteht (z.B. bei Suchterkrankungen). Zusammen machen diese drei Gruppen im Jahr 2017 21 Prozent der Sozialhilfebeziehenden im Kanton Graubünden aus. Personen dieser Gruppen sind durchschnittlich gut drei Jahre auf Sozialhilfe angewiesen.

Sozialhilfe als letztes Auffangnetz

Die Zahlen des BFS zeigen, dass im Kanton Graubünden mehrheitlich Personen Sozialhilfe benötigen, bei denen eine langfristige, strukturelle Abhängigkeit besteht. Diese Personen haben wenig Aussicht ihre Erwerbssituation unmittelbar zu verbessern und finanziell unabhängig zu werden. Sie sind auf die Existenzsicherung durch die Sozialhilfe angewiesen.

Die Sozialhilfequote des Kantons Graubünden ist eine der tiefsten der Schweiz. Sie liegt im Jahr 2017 mit 1,4 Prozent der Bevölkerung deutlich unter dem schweizweiten Durchschnittlich von 3,3 Prozent. (kup)

 

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