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Axa: Grosse Gefahren bei Crashs von Wohnmobilen

Axa: Grosse Gefahren bei Crashs von Wohnmobilen

Angesichts des durch die Coronapandemie ausgelösten Campingbooms warnt der Versicherer Axa vor grossen Gefahren: Crashs mit Wohnmobilen sind aufgrund der Leichtbauweise des Aufbaus viel gefährlicher für die Insassen als mit einem normalen Personenwagen.

Agentur
sda
vor 3 Wochen in
Tourismus
Axa-Crashtest: Ein Wohnmobil prallt mit 60 km/h gegen einen Baum. Der Aufbau bricht völlig auseinander.
Axa-Crashtest: Ein Wohnmobil prallt mit 60 km/h gegen einen Baum. Der Aufbau bricht völlig auseinander.
Keystone/MELANIE DUCHENE

Bei einer Frontalkollision eines älteren Campers mit einem Baum bei einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde dürfte kein Insasse überleben, sagte Michael Pfäffli, Leiter Unfallforschung und Prävention der Axa Schweiz, am Dienstag in einer Online-Medienkonferenz. Der Baum dringt in den Camper ein. Der vordere Teil wickelt sich fast um den Baum herum, wie ein Crashtest-Video der Axa zeigt.

Die Fahrgastzelle kollabiert vollständig. «Fahrer und Beifahrer haben nicht mehr viel Überlebensspielraum und entsprechend hoch sind die Verletzungen», erklärte Pfäffli. Noch verheerender ist das Bild für den hinteren Teil des Campers. Dieser bricht völlig auseinander. Die Trümmer fliegen in der Gegend herum und dürften die hinteren Insassen massiv verletzen, wenn diese nicht gar erschlagen werden. Zudem werden die Beladungsgegenstände zu gefährlichen Geschossen.

Wohnmobile würden durch den Kunststoffaufbau weniger gut schützen als eine Blechkarosserie, sagte Pfäffli. Die Widerstandskraft sei geringer als bei Personenwagen. Auch in der technischen Ausstattung für die Unfallprävention hinkten die Wohnmotorwagen den Personenwagen hinterher. Sie verfügten nur selten über standardmässig verbaute Fahrassistenzsysteme wie etwa Spurhaltewarner oder Totwinkel-Assistenten.

Keine Verbesserung bei den Personenschäden

Bei normalen Autos sei die Sicherheit in der Vergangenheit massiv gesteigert worden. «Die Anzahl Personenschäden hat sich zwischen 2015 und 2019 denn auch um rund 22 Prozent reduziert, während sie bei den Wohnmotorwagen im gleichen Zeitraum stagnierte», erklärte Pfäffli.

Gefahren drohen auch bei der Gepäckbeladung: Der viele Stauraum eines Campers lädt gerade dazu ein, viel mehr in die Ferien mitzunehmen, als wenn man mit einem Auto fahren würde. So werden oft noch Velos oder Surfbretter eingeladen. Dabei hätten die grossen Wohnmobile oft nur eine geringe Nutzlast.

Bei rund einem Drittel der Wohnmobile liege die Nutzlast unter 500 Kilogramm. Das sei weniger als bei einem VW Golf, sagte Pfäffli. Damit sei die Nutzlast bei einer vierköpfigen Familie schnell überschritten. Überladung könne sich speziell bei einer ungleichmässigen Verteilung der Ladung negativ auf das Fahrverhalten auswirken. Eine kurze Ablenkung könne ausreichen, um die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren.

Gerade für ungeübte Lenker würden die ungewohnt massigen Wohnmotorwagen so einige Tücken bergen. So unterscheidet sich das Fahrverhalten aufgrund der Grösse, des höheren Gewichts und auch der Schwerpunkthöhe teils stark von den gewohnten PWs.

Mehr Streifkollisionen - weniger Auffahrunfälle

Bei der Unfallstatistik gibt es signifikante Unterschiede zwischen normalen Autos und den Wohnmobilen. «Bei den Wohnmotorwagen verzeichnen wir gegenüber PWs rund 33 Prozent mehr Unfälle beim Rückwärtsfahren und 150 Prozent mehr Streifkollisionen - dies aufgrund der Grösse und der Unübersichtlichkeit der Fahrzeuge», erklärte Pfäffli.

«Gleichzeitig werden der Axa allerdings 66 Prozent weniger Vortrittsmissachtungen und nur halb so viele Auffahrkollisionen gemeldet, die durch diese Lenkergruppe verursacht werden», sagte der Leiter der Unfallforschung des Versicherers.

Dies lege den Schluss nahe, dass Wohnmotorwagenfahrer aufgrund der Grösse ihrer Fahrzeuge zwar häufiger von Kleinschäden betroffen seien, aber schwerere Unfälle besser zu vermeiden wüssten.

Alte VW-Busse bieten weniger Sicherheit

Auch der Trend zu älteren Campern mit Kultstatus wie etwa alten VW-Bussen birgt Gefahren. Bei einem Frontzusammenstoss eines vierzig Jahre alten VW-Busses T3 mit einem modernen VW-Bus T6 mit 60 km/h haben die Insassen des älteren VW-Busses kaum eine Überlebenschance, wie ein weiterer Crashtest der Axa zeigt. Denn die Fahrgastzelle des T3 bricht völlig zusammen. Zudem werden Fahrer und Beifahrer durch Ladung von hinten eingeklemmt.

Beim modernen T6 seien die Insassen hingegen gut geschützt, sagte Pfäffli. Die Fahrgastzelle sei stabil geblieben. Beim Fahrer seien gewisse Beinverletzungen durch das eindringende Armaturenbrett zu erwarten. Pfäffli warnte vor der verbreiteten Mode der Beifahrer, die Füsse auf das Armaturenbrett zu legen. Durch die Auslösung des Airbag würden die Beine zurückgeschleudert, was zu massiven Verletzungen führe.

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