Von der Liegekur zur hochspezialisierten Rehabilitation
Schritt für Schritt zurück ins Leben. Die Zeiten von Liegekur und Sanatorium sind vorbei. Moderne Rehabilitation bedeutet heute intensives Training und individuelle Therapieziele.
Schon im 19. Jahrhundert kamen Menschen nach Davos, weil sie sich von der Höhenluft Linderung bei Lungenerkrankungen versprachen. Auf dem Höhepunkt der Sanatoriumszeit gab es in Davos fast vierzig Sanatorien und Kliniken. Bis heute gilt Davos als bedeutender Gesundheitsstandort.
Die Rehabilitation von heute hat jedoch nur noch wenig mit der früheren Liegekur gemeinsam. An die Stelle von Schonung und Bettruhe sind aktivierende, individuell abgestimmte Therapien getreten. Moderne Rehabilitation verbindet medizinische Behandlung, Pflege und Therapie zu einem interprofessionellen Gesamtkonzept. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, verloren gegangene Fähigkeiten zurückzugewinnen und Schritt für Schritt in ihr gewohntes Leben zurückzufinden.
Fünf Aspekte zeigen, was moderne Rehabilitation heute ausmacht.
1. Individuelle Therapie statt Standardprogramm
Rehabilitation beginnt mit einer einfachen, aber entscheidenden Frage: Was soll eine Patientin oder ein Patient nach dem Aufenthalt wieder können? Die Antwort ist individuell. Für die einen bedeutet das, wieder sicher Treppen zu steigen. Für andere, sich selbstständig anzuziehen, mit einer Erkrankung umzugehen oder die Rückkehr in das Berufsleben vorzubereiten. Deshalb stehen am Anfang jeder Rehabilitation die individuellen Ziele der Patienten und Patientinnen.
In der Rehaklinik Davos Clavadel arbeiten Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen eng zusammen und stimmen ihre Massnahmen aufeinander ab. Die Klinik spricht dabei von interdisziplinärer Komplexrehabilitation. Statt eines standardisierten Programms erhalten die Patientinnen und Patienten eine Behandlung, die sich an ihrer gesundheitlichen Situation, ihren Ressourcen und ihren persönlichen Zielen orientiert. So entsteht eine Rehabilitation, die so individuell ist wie die Menschen, die sie in Anspruch nehmen.
2. Mehr Selbständigkeit statt vollständiger Wiederherstellung
Rehabilitation bedeutet nicht immer, den Zustand vor der Erkrankung wiederherzustellen. Nach einer schweren Erkrankung, einem Unfall oder einem komplexen medizinischen Eingriff hat sich das Leben oft dauerhaft verändert. Dann geht es darum, neue Wege zu finden, mit den verbleibenden Fähigkeiten umzugehen und die eigenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen. Nach einem Unfall muss beispielsweise das Gehen neu erlernt werden. Nach einer schweren Erkrankung steht häufig der schrittweise Aufbau von Kraft und Belastbarkeit im Vordergrund. Bei Menschen mit mehreren gesundheitlichen Einschränkungen gilt es zudem, unterschiedliche Bedürfnisse gleichzeitig zu berücksichtigen.
Das Ziel moderner Rehabilitation ist deshalb nicht immer die vollständige Genesung, sondern ein möglichst hohes Mass an Selbstständigkeit und Lebensqualität. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Patientinnen und Patienten ihren Alltag wieder eigenständig gestalten und am gesellschaftlichen sowie beruflichen Leben teilhaben können.
Eine Rehabilitation ist weder ein Ferienaufenthalt noch ein klassischer Erholungsaufenthalt. Patientinnen und Patienten werden ärztlich zugewiesen, wenn eine Rehabilitation medizinisch sinnvoll ist und eine gezielte Unterstützung auf dem Weg zurück in den Alltag erforderlich wird.
Entsprechend folgt der Aufenthalt einem klar strukturierten Therapieplan. Die Tage sind geprägt von verschiedenen Behandlungs- und Therapieeinheiten, die auf die individuellen Ziele abgestimmt werden.
Je nach Krankheitsbild und Rehabilitationsbedarf wechseln sich Einzel- und Gruppentherapien ab. Fortschritte werden regelmässig überprüft und das Rehabilitationsprogramm bei Bedarf angepasst. Erholung und Regeneration haben dabei ihren festen Platz. Sie sind jedoch nicht Selbstzweck, sondern eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Patientinnen und Patienten die intensive Rehabilitation erfolgreich bewältigen können. Im Mittelpunkt steht stets das Ziel, Fähigkeiten zurückzugewinnen, Selbstständigkeit zu fördern und die Rückkehr in den Alltag bestmöglich vorzubereiten.
4. Alltagstraining statt Distanz zum Alltag
Was nützt es, wenn etwas in der Therapie funktioniert, aber zu Hause nicht? Entscheidend ist, ob die erlernten Fähigkeiten auch zu Hause, im sozialen Umfeld oder am Arbeitsplatz genutzt werden können. Deshalb orientiert sich die Rehabilitation konsequent an den Anforderungen des täglichen Lebens.
In der Ergotherapie werden beispielsweise alltägliche Handlungen geübt und Strategien für mehr Selbstständigkeit entwickelt . Die Physiotherapie fördert Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Folgen einer Erkrankung oder einer veränderten Lebenssituation umzugehen. Dabei geht es immer um die Frage: Was braucht dieser Mensch, um seinen Alltag wieder möglichst eigenständig gestalten zu können?
Zur Rehabilitation gehören aber nicht nur medizinische und therapeutische Massnahmen. Auch der Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten kann wertvoll sein. Gemeinsame Aktivitäten, Gruppentherapien und Begegnungen im Klinikalltag schaffen Unterstützung, Orientierung und Motivation. Rehabilitation findet deshalb nicht nur in den Therapieräumen statt, sondern überall dort, wo Menschen Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben finden.
5. Höhenlage als Umfeld statt Heilversprechen
Clavadel liegt auf rund 1668 Metern über Meer. Die Höhenlage gehört zur Geschichte des Ortes und prägt bis heute die Atmosphäre der Rehaklinik. Die umliegende Bergwelt, die klare Luft und die Ruhe schaffen ein Umfeld, das vielen Patientinnen und Patienten guttut.
Die Landschaft ersetzt jedoch keine Therapie. Sie kann vielmehr einen Rahmen bieten, in dem sich intensive Rehabilitation, Erholung und Bewegung sinnvoll ergänzen.
Nach den Therapien finden viele Patientinnen und Patienten in der Natur Ruhe, Orientierung und neue Energie. Für bestimmte Patientengruppen ist die Höhenlage medizinisch gesehen ein begünstigender Faktor. Entscheidend für den Rehabilitationserfolg bleiben jedoch die individuell abgestimmte medizinische Behandlung, die therapeutischen Massnahmen und die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen.
Über die Klinikgruppe Valens:
Die Rehaklinik Davos Clavadel ist Teil der Klinikgruppe Valens, die an 13 Standorten in der Schweiz Rehabilitation in neun Fachbereichen anbietet. Rund 2300 Mitarbeitende arbeiten in den Kliniken und ambulanten Angeboten der Gruppe. Das Spektrum reicht von neurologischer und muskuloskelettaler über pulmonale und internistisch-onkologische bis hin zu psychosomatischer Rehabilitation und Psychiatrie. Die Klinikgruppe verbindet dabei stationäre und ambulante Angebote und arbeitet standortübergreifend mit interdisziplinären Behandlungsteams.