Drei Generationen, ein Terroir: «Mein Ziel ist es, den Familienfrieden zu sichern»
Andrea Davaz hat eine Antwort auf eine unangenehme Frage gefunden: Was passiert mit dem Familienbetrieb, wenn ich nicht mehr da bin? 2023 hat er das Weingut Davaz und die Holding seinen beiden Söhnen sowie einer Schwiegertochter übergeben. Sein wichtigster Rat: In Generationen zu denken, nicht in Quartalen. Eine Nachfolge ist dann erfolgreich, wenn die Familie danach noch gemeinsam Ostern und Weihnachten feiert.
Herr Davaz, Sie haben eine Grossfamilie mit sechs Kindern und acht Enkelkindern. Wann fanden die ersten Nachfolgegespräche statt?
Das Thema Nachfolge war bei uns kein punktuelles Ereignis, sondern ein bewusster Prozess. Mir war früh klar: Wenn ich diesen Betrieb nicht nur verwalten, sondern ausbauen will, muss die Struktur von Anfang an ‚enkelfähig‘ sein. Mir war es wichtig, die Weichen zu stellen, solange ich noch mit voller Kraft unterstützen und moderieren kann.
Ende 2017 hat Ihre Familie die Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG übernommen.
Diesen Entscheid hätten wir vermutlich nicht gefällt, wenn nicht schon die Ambitionen meiner Söhne deutlich geworden wären. Ich war damals 54 Jahre alt – es braucht viel Zeit, solche Strukturen sauber aufzubauen.
Zu welchem Zeitpunkt haben Ihre Söhne Interesse signalisiert?
Dieses zeichnete sich bereits ab, als unser Sohn Luca die Lehre als Weintechnologe begann. Der andere Sohn Micha studierte Wirtschaft. Wir haben Rimuss übernommen, als er sein Studium abschloss. Da lag es auf der Hand, ihn für die operative Führung des Handelsbetriebs vorzusehen.
Wie sind Sie die Nachfolge angegangen?
Als erstes haben wir die Betriebe objektiv bewerten lassen. Mir war wichtig, über reale Werte zu sprechen. In einem zweiten Schritt haben wir die Synergien in den Fokus gerückt: Das Weingut und die Weinhandlung sind wie zwei Zahnräder, die ineinandergreifen müssen. Deshalb haben wir die Söhne operativ eng vernetzt, statt die Betriebe einfach nur aufzuteilen. Gleichzeitig wollte ich ein Gefäss schaffen, das die vier Töchter fair am Familienvermögen beteiligt, ohne die Liquidität der Betriebe für die Söhne zu gefährden. Wir haben den Prozess also nicht als ‚Teilen‘, sondern als ‚Strukturieren für die Zukunft‘ verstanden.
