Mit Willen zurück ins Leben
Auf der Skipiste ist Kaspar Meier in seinem Element. Als Skilehrer hat er sein erstes Geld verdient und 1980 seine Frau Margrit kennengelernt. Auch 30 Jahre später zirkelt er perfekte Schwünge in den Schnee. Der Himmel strahlt vor Freude, es ist der letzte Skitag der Saison auf Davos Parsenn – und peng! Meier übersieht in hohem Tempo einen Buckel, verliert die Kontrolle und landet neben der Piste in einem schneefreien Geröllhang.
«Ich fühle keinen Boden mehr unter mir, bin ich noch in der Luft», fragt Meier seinen Kollegen, der sofort zur Hilfe geeilt war. Meier spürt seine Beine nicht mehr, die Wirbelsäule scheint verletzt. Sofort wird die Rega alamiert. Als der Hubschrauber kommt, ist Meier bereits bewusstlos.
Diagnose: Querschnittslähmung
Der Befund: 17 Rippen gebrochen, Lungenquetschung, Bruch der Augenhöhle und Quetschung des siebten und achten Brustwirbels mit Verdacht auf Querschnittslähmung. Die niederschmetternde Diagnose bahnt sich nur langsam den Weg in Kaspar Meiers Bewusstsein. Zu stark sind die Schmerzen, die Medikamente, die Albträume. Nachdem Meier fünf Tage auf der Intensivstation im Kantonsspital in Chur gelegen hat, gibt die Ärzteschaft grünes Licht, ihn in die Intensivstation des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil zu verlegen. Nach sechs langen Monaten in Nottwil kehrt Kaspar Meier zurück nach Hause – im Rollstuhl. «Die erste Zeit war hart», erinnert sich Meier. Sein Leben kannte keinen Stillstand, auf der Piste nicht und schon gar nicht, wenn er als selbständiger Unternehmer auf der Strasse unterwegs war. Im Frühling und Herbst, wenn die Viehtransporte anstanden, war er um fünf Uhr früh auf der Strasse mit seinem 40-Tonner. Nun muss er seine Firma an einen Angestellten verkaufen. Er ist 57 Jahre alt und IV-Rentner.