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Sportradar

Ärger für Schweizer Fifa-Boss: Uefa bereitet Strafanzeige gegen Infantino vor

Der Streit um einen milliardenschweren WM-Deal eskaliert. Die Uefa erwägt ein Strafverfahren in der Schweiz gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino.
Nikola Brankovic
heute um 17:14 Uhr

Für Fifa-Präsident Gianni Infantino wird der Streit um einen gescheiterten Milliarden-Deal zunehmend zum juristischen Problem. Die Uefa bereitet nach übereinstimmenden Medienberichten eine mögliche Strafanzeige gegen den Schweizer und weitere Fifa-Verantwortliche vor.

Uefa erwägt Strafverfahren gegen Infantino in der Schweiz

Die Uefa hat bei einem US-Gericht Anträge gestellt, um Dokumente und Zeugenaussagen zu erhalten, die in einem möglichen Schweizer Strafverfahren verwendet werden könnten.

Aus den Gerichtsunterlagen geht laut Reuters hervor, dass die Uefa ein Strafverfahren gegen Infantino und möglicherweise weitere Fifa-Verantwortliche wegen des Verdachts der strafrechtlichen Misswirtschaft erwägt. Dabei geht es um Artikel 158 des Schweizerischen Strafgesetzbuches.
Auch die Nachrichtenagentur AP berichtet über ein 56-seitiges Dokument der Uefa-Anwälte, in dem ein mögliches Verfahren in der Schweiz ausdrücklich genannt wird.

Eine Strafanzeige beziehungsweise ein Verfahren bedeutet jedoch nicht, dass sich die Vorwürfe bestätigt haben. Infantino ist in dieser Angelegenheit nicht verurteilt.

Darum geht es beim Milliarden-Deal

Im Zentrum des Streits steht die geplante Gesellschaft Fifa Forward Enterprise (FFE).

Über diese neue Tochtergesellschaft sollten kommerzielle Aktivitäten rund um wichtige Fifa-Wettbewerbe gebündelt werden. Dazu gehörten unter anderem die Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften sowie die Klub-WM. Private Investoren sollten sich anschliessend an der Gesellschaft beteiligen.

Eine zentrale Rolle spielte dabei die Investmentgesellschaft Thrive Capital Management, die von Joshua Kushner gegründet wurde. Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.

Thrive und weitere Investoren sollten für 4,2 Milliarden US-Dollar einen Anteil von 20 Prozent an der neuen Gesellschaft erwerben.

Uefa erhebt schwere Vorwürfe

Die Uefa wirft Infantino laut den eingereichten Unterlagen vor, den Plan mit einem kleinen Kreis von Beratern und Investoren entwickelt und dabei die üblichen Entscheidungsstrukturen der Fifa umgangen zu haben. Nach Darstellung der Uefa seien unter anderem der Fifa-Rat, die Kontinentalverbände und Mitgliedsverbände nicht ausreichend einbezogen worden.

Besonders kritisch sieht die Uefa offenbar die Bewertung des Geschäfts.

Die 4,2 Milliarden Dollar für einen 20-Prozent-Anteil könnten nach Auffassung der Uefa deutlich unter dem tatsächlichen Marktwert gelegen haben. In den Unterlagen werden entsprechend schwere Vorwürfe erhoben. Ob diese rechtlich Bestand haben, ist offen.

Infantino gab den Plan Anfang August auf

Umgesetzt wurde das umstrittene Projekt letztlich nicht. Infantino gab den Plan am 1. August nach massivem Widerstand aus der internationalen Fussballwelt auf. Zu den schärfsten Kritikern gehörte die Uefa. Damit ist die Angelegenheit für den europäischen Verband offenbar aber noch nicht erledigt.

Die Uefa versucht nun, weitere Unterlagen über die Entstehung, Bewertung und geplante Umsetzung des Geschäfts zu erhalten.

Was Infantino jetzt drohen könnte

Noch befindet sich die Angelegenheit in einem frühen Stadium. Die Uefa sammelt nach aktuellem Stand Material für eine mögliche Strafanzeige in der Schweiz. Ob tatsächlich ein Schweizer Strafverfahren eröffnet wird und ob sich die Vorwürfe erhärten, ist offen.

Sollte es später zu einem Verfahren und einer Verurteilung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung nach Artikel 158 des Schweizerischen Strafgesetzbuches kommen, kann das Delikt mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. In den von AP ausgewerteten Unterlagen wird ein möglicher Strafrahmen von bis zu drei Jahren thematisiert.

Für den 56-jährigen Walliser bedeutet die Entwicklung dennoch neuen Druck. Infantino steht seit 2016 an der Spitze des Weltfussballverbands.

Die Fifa hatte auf eine Anfrage von Reuters zu den neuen Vorwürfen zunächst nicht reagiert.