×

Mathias Flückiger nach Crash mit Nino Schurter massiv angefeindet

Nach einem riskanten Überholmanöver gerieten Mountainbiker Mathias Flückiger und Nino Schurter in Lenzerheide aneinander. In Online-Kommentaren machten Schurter-Fans ihrem Ärger Luft.

Südostschweiz
26.07.22 - 13:18 Uhr
Sport
Grosse Rivalität: Mathias Flückiger (links) und Nino Schurter nach dem Rennen in Lenzerheide.
Grosse Rivalität: Mathias Flückiger (links) und Nino Schurter nach dem Rennen in Lenzerheide.
Bild Keystone

Das Rennen in Lenzerheide werden die Schweizer Mountainbikefans nicht so schnell vergessen. Der Bündner Nino Schurter stand vor zwei Wochen beim Heimrennen kurz vor seinem 34. Weltcupsieg, er wäre mit dem Erfolg zum alleinigen Rekordhalter vor dem Franzosen Julien Absalon aufgestiegen. An sein Hinterrad hatte sich derweil Mathias Flückiger geheftet und der Berner lancierte kurz vor dem Ziel, in einer Passage abseits der Kameras, ein waghalsiges Überholmanöver.

In diesem kurzen Waldstück kam es zum Kontakt und zum doppelten Sturz. Flückiger landete daraufhin auf dem 3. Platz, Schurter auf Rang Vier. Für Schurter gab es keine zwei Meinungen, angefressen wie selten deckte er Flückiger im Ziel mit nicht druckreifen Worten und einem ordentlichen, von der UCI mit dem Abzug von zwei Weltcup-Punkten und einer geringen Busse sanktionierten Schlag auf den Rücken ein und meinte: «Mathias wollte mich an einer Stelle überholen, an der es schlicht nicht möglich ist. Er hat mich einfach abgeschossen, lag auf mir drauf. Das war definitiv 'too much'. Wir hätten einen Schweizer Doppelsieg gehabt, und ich hätte ziemlich sicher gewonnen. Das ist traurig. Ich kann es echt nicht verstehen.»

Giftiger Konter von Flückiger

Flückigers Konter war ähnlich scharf und zielte in Richtung «Wie du mir, so ich dir». So sagte der Berner: «Ich kann mir nicht erklären, warum Nino so hässig war. Entweder hatte er zu wenig Luft, oder er merkt nicht, dass es bis jetzt immer er war, der das gemacht hat. Ich verstehe nicht, warum er nicht darüber stehen kann, dass mal einer ihm den Ellbogen reinhält. Er hat keinen Grund zum 'Grännen'.»

Zwei Wochen sind nun seit dem Vorfall vergangen, die Gemüter der beiden Profis haben sich mittlerweile wieder beruhigt. Trotzdem musste Flückiger in den letzten zwei Wochen nochmals ordentlich einstecken, wie der Mountainbiker auf seiner Homepage schreibt: «Was nach dem Vorfall passierte, hat mich nachdenklich gestimmt. Wie viele Leute online Frust, Aggression, Wut und Hass schüren und ausüben – und dies alles nur wegen einem Sturz von zwei Mountainbikern, hat mich sehr erschreckt», schreibt der Berner. Zum ersten Mal habe er persönlich erfahren, wie Wut, Frust oder gar Hass online ausgeübt wird und das wegen einer Sache, «die wirklich nicht allzu relevant ist auf dieser Welt», schreibt Flückiger.

Versöhnt: Flückiger (rechts) und Schurter beim Handshake nach dem Rennen in Lenzerheide.
Versöhnt: Flückiger (rechts) und Schurter beim Handshake nach dem Rennen in Lenzerheide.
Bild Keystone

Schärferer Ton seit der Pandemie

Er zieht auch einen Vergleich zur aktuellen Pandemie, in der er eine Verschärfung des Tons in den Online-Kommentaren bemerkt hatte: «Gewisse Leute haben einen unbändigen Drang danach, jemanden fertig zu machen. Aus einer Mücke wird ein Elefant gemacht und dies ohne jeglichen Anstand walten zu lassen.» Dank seines Umfeld konnte er sich letztendlich trotzdem in der Folgewoche auf seinen Job konzentrieren und gar das Short-Track-Rennen in Vallnord (Andorra) gewinnen, wie Flückiger schreibt.

Aktuell fällt Flückiger aber aufgrund eines Corona-Infekts aus und muss auf die beiden Übersee-Weltcuprennen in Snowshoe und Mount Sainte Anne verzichten. Seinen Weg zum grossen Saisonziel, der WM, müsse er nun halt über Umwege gehen, schreibt der Berner.

Kommentieren

Kommentar senden
Mehr zu Sport MEHR