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Österreich im Flow

Das vom Zürcher Roger Bader gecoachte Österreich schreibt an der Eishockey-WM unglaubliche Geschichten. Wie ist das möglich?

Agentur
sda
16.05.24 - 20:50 Uhr
Eishockey
Der Schweizer Trainer Roger Bader ist der Baumeister des österreichischen Wunders
Der Schweizer Trainer Roger Bader ist der Baumeister des österreichischen Wunders
KEYSTONE/EPA/PETER SCHNEIDER

Beim 5:6 gegen die Schweiz schnupperten die Österreicher an einem Punktgewinn - das 5:6 fiel 50,5 Sekunden vor dem Ende. Gegen den mit NHL-Stars bestückten Titelverteidiger Kanada (6:7 n.V.) holten sie einen solchen nach einem 1:6-Rückstand nach 40 Minuten. Und nun bezwangen sie mit 3:2 zum ersten Mal überhaupt Olympiasieger Finnland. Das Siegtor schoss der Berner Stürmer Benjamin Baumgartner 0,2 Sekunden vor dem Ende.

«Ich dachte, Kanada in die Overtime zu zwingen, sei schon das höchste der Gefühle. Doch heute Finnland zu schlagen, war noch besser», sagte Baumgartner. «Wir befinden uns in einem Flow, verstehen uns alle auch neben dem Eis sehr gut, halten zusammen. Das macht die Gruppe so speziell.»

Vincent Rohrer, Schweizer Meister mit den ZSC Lions, ergänzte: «Es muss viel harmonieren, um so etwas mit Österreich zu schaffen. Wir machen momentan sehr viel richtig». Lobende Worte hatte der 19-Jährige auch für Trainerassistent Arno Del Curto, der in der Schweiz Kultstatus geniesst: «Er redet viel mit uns, motiviert uns. Er gibt enorm viele individuelle Tipps, so viele wie wahrscheinlich noch nie ein Trainer.»

Der bei den Minnesota Wild spielende Marco Rossi, der einzige NHL-Spieler im österreichischen Team, sagte: «Unsere aktuellen Gefühle kann man nicht beschreiben. Unsere Leidenschaft, der Stolz, für Österreich zu spielen, ist sehr gross. Es ist egal, wie viel es steht, wir glauben an uns. Das Spiel gegen Kanada hat uns gutgetan, wir konnten den Schwung mitnehmen.»

Sind nun sogar die Viertelfinals möglich? «Wir spielen momentan sehr, sehr clever, treffen gute Entscheide. Wenn wir so weiterspielen, liegt sicher mehr drin», ist Rossi überzeugt. Gleichzeitig warnte der als Junior bei den ZSC Lions spielende Center: «Wir dürfen nicht zu weit vorausdenken. Der nächste Schritt ist Tschechien.»

Roger Bader antwortete auf die provokante Frage eines Journalisten, wie er nun mit der Favoritenrolle gegen Tschechien umgehe: «Weil wir das nicht denken, haben wir eine Chance. Sonst würde es sofort in die andere Richtung gehen.» Der nicht für Gefühlsausbrüche bekannte Zürcher jubelte nach dem Siegtor so ausgelassen, «wie schon lange nicht mehr. Wir zeigten erneut eine riesige Moral.»

War es ähnlich emotional wie beim Coup der ZSC Lions gegen Lugano im Playoff-Viertelfinal 1992? Damals eliminierten die nach der Qualifikation achtplatzierten Zürcher den haushohen Favoriten Lugano mit 3:1 Siegen, das vierte Spiel gewannen sie im Penaltyschiessen. Bader war damals beim ZSC Assistent von Arno Del Curto. «Es geht in diese Richtung.»

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