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Diesmal wäre ein Halbfinalsieg gegen Kanada keine Überraschung

Wie 2018, als die Schweiz zum letzten Mal einen WM-Halbfinal bestritten hat, heisst der Gegner am Samstag um 18.20 Uhr Kanada. Das weckt gute Erinnerungen.

Agentur
sda
25.05.24 - 07:00 Uhr
Eishockey
Jubeln die Schweizer auch nach dem Halbfinal gegen Kanada?
Jubeln die Schweizer auch nach dem Halbfinal gegen Kanada?
KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Vor sechs Jahren setzten sich die Schweizer gegen das mit Superstar Connor McDavid angetretene Kanada im Halbfinal überraschend 3:2 durch. Die Tore erzielten Tristan Scherwey, Gregory Hofmann und Gaëtan Haas. Ersterer und letzterer gehören auch in diesem Jahr zum Team. Insgesamt waren acht Feldspieler schon 2018 dabei, so auch die NHL-Cracks Roman Josi, Kevin Fiala und Nino Niederreiter.

Josi ist seither in der NHL in neue Sphären vorgedrungen. Er hat 2020 die Norris Trophy für den wertvollsten Verteidiger der Qualifikation gewonnen und gehört erneut zu den drei Finalisten. Fiala entwickelte sich zu einem regelmässigen Skorer; er produzierte in den letzten drei Saisons in der besten Eishockey-Liga der Welt beinahe einen Punkt pro Spiel (0,98). Zudem können die Schweizer diesmal auf den Nummer-1-Draft Nico Hischier zählen. Das Trio führt die interne Skorerwertung mit jeweils elf Punkten an, wobei Fiala und Hischier je sechs Tore erzielt haben. Die Schweizer verfügen also über mehr Offensivkraft als vor sechs Jahren.

Klare Goalie-Hierarchie

Wie sieht es auf der wichtigen Goalie-Position aus? 2018 bildeten Leonardo Genoni, Reto Berra und der keine Minute spielende Gilles Senn das Torhüter-Trio. Genoni und Berra, die beide Jahrgang 1987 haben, nahm Nationaltrainer Patrick Fischer auch diesmal mit, dazu den aufstrebenden Akira Schmid von den New Jersey Devils.

Fischer gibt zwar jeweils nach aussen nicht bekannt, wer zum Einsatz kommt. Doch diesmal hat sich eine klare Hierarchie herauskristallisiert mit Genoni als Nummer 1. Berra wurde gegen Österreich (6:5) nach vier Gegentoren in 40 Minuten ausgewechselt und spielt seither keine Rolle mehr. So rückte Schmid zur Nummer 2 auf.

Genoni brachte es in seinen fünf Spielen auf eine Abwehrquote von 92,55 Prozent. Das ist der drittbeste Wert an diesem Turnier. Dass auf ihn Verlass ist, wenn es um alles geht, hat er schon mehrfach bewiesen, so auch an der WM 2018, als er in den drei K.o.-Spielen 110 von 116 Schüssen (94,83 Prozent) parierte.

Genonis Fokus

Das Motto der Schweizer an dieser WM lautet, stets im Hier und Jetzt zu bleiben, sich durch nichts ablenken zu lassen. Darauf wurde intensiv hingearbeitet, auch der aus dem Handball bekannte Hypnose-Spezialist Adrian Brüngger half dabei. Genoni ist der Inbegriff dafür, «im Moment zu sein».

Nach dem 3:1 gegen Deutschland um einen Blick nach vorne gebeten mit dem Hinweis, dass sie nun wahrscheinlich wieder auf Titelverteidiger Kanada treffen würden (das stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest), sagte er: «Ich wusste nicht einmal, dass wir (für den Viertelfinal) nach Ostrava reisen müssen.» Er verstehe den Modus nicht. «Wenn sie sagen, ich solle aufs Eis, dann gehe ich.»

Wie bescheiden Genoni zudem ist, unterstreicht folgende Aussage nach dem Sieg gegen den Erzrivalen: «Chapeau an die Jungs, wie sie gearbeitet haben. Jeder ging für jeden, und genau das macht es aus. Ich bin stolz und froh für sie. Wir riefen heute genau jene Leistung ab, die es brauchte. Darauf können wir aufbauen.»

Potenzial bei den Special Teams

Im Halbfinal 2018 lautete das Schussverhältnis 45:17 zu Gunsten der Nordamerikaner. Diesmal befinden sich die Schweizer auch spielerisch auf Augenhöhe. Zwar verloren sie in der Vorrunde 2:3, die Kanadier trafen jedoch bloss in Überzahl, zweimal während einer Fünfminuten-Strafe gegen Kevin Fiala, der nach dem Restausschluss ab der 27. Minute sichtlich fehlte.

Die Eisgenossen haben in den letzten sechs Spielen kein Tor mehr bei fünf gegen fünf zugelassen. Die Defensive funktioniert also. Nun gilt es noch, das bisher unbefriedigende Boxplay zu verbessern. In dieser Statistik belegen die Schweizer nach wir vor den zweitletzten Platz. Zuletzt schwächelte zudem das Powerplay. Darauf will Fischer nochmals ein Augenmerk legen. Nichtsdestotrotz könnte das Gefühl im Schweizer Lager kaum besser sein. «Wir müssen uns vor niemanden verstecken», sagt Fischer selbstbewusst. Jedenfalls wäre ein Halbfinal-Sieg gegen Kanada definitiv keine Überraschung mehr.

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