Zwei umstrittene St. Galler Vorlagen stehen auf dem Prüfstand
Im Kanton St. Gallen sind zwei der drei Abstimmungsvorlagen vom 8. März umstritten. Gegen den Verkauf des Areals Wil West wehren sich Grüne und SVP. Gegen den Autobahnanschluss samt Zubringerstrasse für die Region Rorschach ergriffen Umweltverbände, SP und Grüne das Referendum.
Das Entwicklungsgebiet westlich der Stadt Wil liegt auf Thurgauer Boden, gehört aber dem Kanton St. Gallen. Nachdem die St. Galler Stimmberechtigten 2022 einen Kredit für die Erschliessung des Areals abgelehnt hatten, soll das Projekt nun dem Kanton Thurgau übergeben werden.
Insgesamt würde der Nachbarkanton für 10,4 Millionen Franken rund 125'000 Quadratmeter Land kaufen. Der Preis wurde über ein kompliziertes Verfahren mit zwei externen Gutachten ermittelt. Auf dem Areal sollen bis zu 3000 Arbeitsplätze entstehen. Die umliegenden 22 Gemeinden würden zugunsten von Wil West auf Bauland verzichten.
Zum Vorhaben gehören auch Angebote für den öffentlichen Verkehr. Weiter soll es zu Wil West einen neuen Autobahnanschluss geben. Damit würde eine inzwischen 40 Jahre alte Forderung aus der Region erfüllt. Für den Bundesrat ist die Arealentwicklung Bedingung für einen zusätzlichen Anschluss an das Nationalstrassennetz in Wil.
Im Abstimmungskampf werden allerdings vor allem der Landverbrauch oder die Chancen für den Wirtschaftsstandort thematisiert – und weniger die Verkehrsprojekte. Hinter der Vorlage mit dem Verkauf des Areals an den Nachbarn stehen FDP, Mitte, SP, GLP und EVP und die St. Galler Regierung.
Zersiedlung wird gebremst
Wil West sei die Antwort der Ostschweiz auf den steigenden Wettbewerb mit anderen Regionen und Ländern, um zukunftsfähige Firmen und attraktive Arbeitsplätze, argumentiert die Regierung. Es brauche gut erschlossene Entwicklungsareale, um neue Unternehmen in die Region zu lotsen. Fachkräfte sollten in der Region bleiben, statt abzuwandern.