Zürcher Gericht verurteilt 51-Jährigen wegen Schüssen auf Polizei
Nächtliche Schüsse auf Polizisten, politische Verstrickungen und ein riesiges Polizeiaufgebot: Der Prozess in Dielsdorf blieb rätselhaft. Das Bezirksgericht hat den nordmazedonischen Beschuldigten am Mittwoch zu zwölf Jahren und zwei Monate Freiheitsstrafe verurteilt.
Warum stand eine Person im Januar 2024 mit schussbereiter Waffe in einem Wohnquartier in Watt im Zürcher Unterland? Wieso schoss sie sofort, als Polizisten sie kontrollieren wollten? Diese Fragen blieben am Prozess gegen einen 51-Jährigen am Bezirksgericht Dielsdorf offen. Denn der Beschuldigte sagte am Montag bloss, dass er nicht geschossen habe und nicht vor Ort gewesen sei. Die Staatsanwältin sagte, es gehe am Prozess nicht darum, dies zu klären.
Der Verteidiger des Nordmazedoniers referierte am Montag über dessen politische Hintergründe. So habe der frühere Polizist in Deutschland Asyl erhalten. Dies weil er in Nordmazedonien verdächtigt worden sei, zusammen mit Geheimdienstlern und Militärs Staatsgeheimnisse verkauft zu haben. «Sein jahrelanger Konflikt mit den Behörden ist dokumentiert.»
Wollte der Verteidiger auf den Grund für das massive Polizeiaufgebot hinwiesen? Eine Erklärung für den Vorfall sollte das Vorleben des Nordmazedoniers nicht sein. Es ging dem Verteidiger nur darum zu zeigen, warum sein Mandant gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft kaum Aussagen gemacht hatte. Auch vor Gericht blieb er wortkarg. Er sei wegen seiner Erfahrungen eben misstrauisch gegenüber Behörden, so der Verteidiger.
Kein Motiv für Schüsse
Wiederholt wies die Verteidigung auch darauf hin, dass der 51-Jährige keinen Grund gehabt hätte, bei einer Polizeikontrolle zu schiessen. «Er wurde nicht gesucht, er hätte kein Motiv dafür gehabt», sagte einer der beiden Verteidiger.