Zürcher Finanzausgleich verhindert Steuerfüsse von 320 Prozent
Ohne Finanzausgleich hätten einige Gemeinden im Kanton Zürich Steuerfüsse von 320 Prozent. Der Küsnachter Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) ist dennoch nicht unglücklich, dass seine gutsituierte Gemeinde hilft, dies zu verhindern. Lieber würde er die Schraube bei den Städten ansetzen.
Die Abgaben an den Finanzausgleich zeigten, dass seine Gemeinde attraktiv sei, meinte Ernst an einem Mediengespräch der Direktion der Justiz und des Innern am Montagabend in Zürich. Zwei Drittel der ordentlichen Steuereinnahmen der Seegemeinde gingen in den kantonalen Finanzausgleich, sagte er.
«Ohne den Finanzausgleich hätten wir wohl einen um 50 Prozent tieferen Steuerfuss. Dann könnte ich es mir aber wohl nicht mehr leisten, in Küsnacht zu wohnen», sagte Ernst. Niemand wolle in einem «Reichenghetto» leben. Der Gemeinderat setze sich für eine soziale Durchmischung ein. 15 Prozent der Einwohner sollen unterstützt werden, wenn es um bezahlbare Wohnungen geht.
Echte Konkurrenz bei den Steuern habe die Gemeinde an der sogenannten Goldküste nicht mit anderen Zürcher Gemeinden. Wer weniger Steuern zahlen wolle, gehe an die «Platinküste», wie die steuergünstigen Schwyzer Gemeinden am Zürichsee wie Wollerau oder Freienbach genannt werden, sagte Ernst weiter.
Grösseres Wachstum wegen 17 Wohnungen
Von den Abgaben der reicheren Zürcher Gemeinden profitieren Orte wie Truttikon im Weinland. Sergio Rämi (parteilos) ist Gemeindepräsident der 468 Einwohner zählenden Gemeinde. «Wir sind klein und arm. Aber ohne Bauland und Industrie können wir auch nicht gross wachsen», sagte Rämi. Das erste Mal in 25 Jahren gebe es nun ein grösseres Bauprojekt. Die Dimensionen sind nicht ganz so wie in Zürich oder anderen Städten: «17 Wohnungen entstehen. Damit dürfte unsere Einwohnerzahl um 10 Prozent wachsen».