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Schweiz und Welt

Das WEF soll touristisch aufgewertet werden

Barbara Gassler
03.01.2025, 07:00 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Wenn Davos im Januar überquillt, wenn jedes Bett belegt ist, jeder verfügbare Raum genutzt wird, bleibt es ausserhalb der WEF-Blase unnatürlich ruhig. Die Wintersporttreibenden finden keine Unterkünfte, und überhaupt steht jedes der üblicherweise verfügbaren Angebote hinter den Bedürfnissen des Grossereignisses an. Von den zahlreichen Gästen, die Davos nur als Forumsbesucher kennen, sollten doch einige dazu verführt werden können, die Möglichkeiten von Davos als Ferien- und Sportort kennenzulernen. Dies nahm sich Albert Kruker, Direktor der Destination Davos Klosters, vor und lancierte zusammen mit Schweiz Tourismus und dem WEF sogenannte Pre- und Post-WEF-Touren. Dabei wird den zum Jahrestreffen anreisenden Geschäftsleuten während eines halben Tages ein anderes Davos gezeigt.

Am Sonntag, 19. Januar, werden sie mitgenommen auf einen Besuch des Schweizerischen Instituts für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), wo sie dessen Direktor Cezmi Akdis zu einem Gespräch über eine gesunde Lebensweise und die Rolle der Umwelt begrüssen wird. Anschliessend sind die Teilnehmenden zur Besichtigung des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts SLF und zur Diskussion über den Schutz vor Naturgefahren eingeladen.

Forschung und Kultur

Unter dem Namen «Magic mountain cultural tour» führt sowohl am Sonntag vorher als auch am Samstag nachher eine Tour hoch zur Schatzalp, wo die Besuchenden speziell in die Davoser Klinikgeschichte eintauchen werden und ihnen dabei noch ein Auge voll Davoser Bergpanorama geboten wird. Vollends darin eintauchen sollen sie anschliessend auf dem Rückweg ins Tal, entweder auf dem Schlitten oder zu Fuss. Speziell gutes Schuhwerk sei nötig, heisst es denn auch in der Ausschreibung. Auch in Zürich wird den ankommenden Gästen ein spezielles Programm geboten. Dort wird ihnen Einblick in die Schweizer Nachhaltigkeitsrobotik und eine Einführung in das dortige Raumfahrt-Ökosystem gegeben. Mit dem Zug geht es dann weiter nach Davos, wo die Gäste rechtzeitig zur Eröffnung des Jahrestreffens eintreffen sollen. Doch auch in Davos kann man sich am Montag mit einem interessanten Programm verweilen. Wieder geht es zuerst zum SIAF, anschliessend aber wird ein Austausch mit den führenden Forschenden des AO Forschungsinstituts zu dessen Arbeit geboten.

Die Forschung steht auch im Zentrum des Nach-WEF-Programms, das am Freitagnachmittag gebucht werden kann. Es startet im Physikalisch-Meterologischen Institut, wo Direktorin Louise Harra die Instrumente des Weltstrahlungszentrums und der verschiedenen Weltraummissionen zeigen wird. Nicht verzichten wird man auch bei dieser Führung auf einen Besuch im SLF.

Ein reiches Davos

Die Idee hinter dem Angebot ist, den Teilnehmenden am WEF auch ein anderes Davos zu zeigen. Eines, das sie entlang der Promenade nicht zu Gesicht bekommen. Eines, das den einen oder die andere unter ihnen zu animieren vermag, zu einem anderen Zeitpunkt nach Davos zurückzukehren. Vielleicht in einer anderen Mission? Vielleicht mit dem Ziel, das touristische Davos zu erkunden. Da gebe es brachliegendes Potenzial, ist Kruker überzeugt, hat bei dieser ersten Durchführung aber noch keine grossen Ambitionen: «Wir haben uns kein mengenmässiges Ziel gesetzt. Viele Gäste, die dieses Jahr während des WEF nach Davos kommen, haben ihre An- und Abreise schon fix geplant.» Mit im Boot ist jedoch bereits das WEF, welches das Angebot den anreisenden Teilnehmenden anpreist. So wird es im angesprochenen Personenkreis schnell herumgesprochen, doch: «Ich bin der Überzeugung, dass es zwei bis drei Jahre braucht, bis ein solches Angebot bekannt ist und nachgefragt wird. Wenn wir alle Touren planmässig durchführen können, sind wir zufrieden. Erste Buchungen konnten wir bereits verzeichnen», sagt Kruker. Ergänzend zu diesen Thementouren erhalten alle WEF-Teilnehmenden durch ihre Beherberger einen Flyer mit buchbaren Angeboten, um ihnen eine Inspiration zu den touristischen Aktivitäten während des WEF oder für einen weiteren Besuch von Davos Klosters zu geben.

«Bleisure»

Mit diesen Aktionen setzt man auch auf den neuen Trend «Bleisure». Dieses Kunstwort, das sich aus «Business» (Geschäft) und «Leisure» (Freizeit) zusammensetzt, beschreibt das zunehmende Bestreben, Geschäftsreisen mit Freizeit zu kombinieren. Eben, indem sie ausgedehnt werden und dem Geschäft noch einige Tage erholsamer Ferien vorgelagert oder anschliessend angehängt werden. So, wie es die Pläne der Destination eben vorsehen.

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