Die Entwicklung der Immobilienpreise im Kanton Graubünden
von Sascha Ginesta, Partner und Leiter der Vermarktung Graubünden bei der Ginesta Immobilien AG
Der Kanton Graubünden steht wie fast die ganze Schweiz vor der gleichen Herausforderung: Die Bautätigkeit wieder dahingehend zu fördern, dass sie mit der Bevölkerungsentwicklung mithalten kann. Denn nur so können sich die Märkte beruhigen. Es ist ein Weg, auf dem es immer wieder gilt, Bestandesaufnahmen in Sachen Angebot und Nachfrage zu machen. Als Wegweiser für Verkäufer und Käufer, wie die aktuellen Entwicklungen einzuordnen sind.
Die Angebotssituation im Markt
Seit Inkrafttreten der Zweitwohnungsinitiative im Jahr 2013 ist die Bautätigkeit in den Ferienwohnungsgemeinden stark zurückgegangen, etwa auf einen Drittel. Dieser Rückgang ist wie in der ganzen Schweiz auch im Bereich der Erstwohnsitze eine Realität, wenn auch nicht im gleichen Ausmass. Wichtiger Indikator, was das auf der Angebotsseite bedeutet, ist die Leerstandsentwicklung. Im Kanton Graubünden liegt der Leerstand mit durchschnittlich 0.6 Prozent auf bedrohlich tiefem Niveau.
Die Nachfragesituation
Diese steht in Erstwohnregionen in direkter Korrelation mit der Bevölkerungsentwicklung. Die Region Chur als attraktives Wirtschaftsgebiet zum Beispiel erlebt eine stetige Bevölkerungszunahme mit in gleichem Umfang gestiegener Nachfrage nach Wohnraum. Die Tourismusgemeinden hingegen haben sich im gesamtschweizerischen Vergleich unterdurchschnittlich entwickelt, was auch mit der Verdrängung durch fremde, hohe Kaufkraft zu tun hat, die den Immobilienmarkt leerkauft, ohne sich dort niederzulassen. Neben diesen Käufern von Zweitwohnungen kam in den letzten Jahren COVID und der anhaltende Negativzins dazu, die die Nachfrage bis ins Frühjahr 2023 geprägt haben. Mit dem Ende der Pandemie und den Zinserhöhungen hat sich die Situation wieder auf dem Stand von 2020 eingependelt. Was heute anders ist als noch vor drei Jahren: Das Angebot ist aufgrund der eingeschränkten Bautätigkeit noch kleiner.