Wissenschaft unterwegs
Sie ist elegant gekleidet, in Beige und Schwarz. An den Füssen Stiefel mit einem leichten Absatz. Auf dem Rücken ein grosser, schwerer Rucksack. Wir steigen in den Zug nach Davos und setzen uns. Barbara Haller Rupf in Fahrtrichtung. «Sonst bin ich schnell weiss», sagt sie und lacht unter der gemusterten Schutzmaske.
Seit Anfang April leitet die 56-jährige Geografin die Academia Raetica. Die Vereinigung mit Sitz in Davos verbindet und vertritt die wissenschaftlich tätigen Institutionen, Kliniken und Hochschulen im Kanton Graubünden. Barbara Haller Rupf öffnet ihren Rucksack. Und hievt einen grossen, beigen, gesprenkelten Stein heraus. «Was ist das für ein Stein?», will nicht nur ich wissen. Auch der Zugchef, der unsere Billette kontrolliert, ist interessiert. «Das ist ein Glimmerschiefer mit Granat und Hornblende», antwortet mein Gegenüber. Und erzählt, dass sie das Fundstück zu Studienzeiten selbst mit Pickel und Schaufel im Gotthardgebiet ausgegraben habe. Wir staunen, der Zugchef und ich. Über den schönen Stein, aber auch über das Wissen von Barbara Haller Rupf. Das ist wohl die Geografin in ihr, die unsere Fragen noch so gerne beantwortet. Wissenschaft unterwegs so quasi.
Ein besonderer Stein aus dem Gotthardmassiv
Den Stein habe sie nicht einfach so mitgebracht, sagt sie. Vielmehr symbolisiere er für sie die Academia Raetica und ihre über 20 Mitgliedsinstitutionen. «Edelsteine und Mineralien, zusammengehalten von einer im Erdinnern verfestigten Sand-Mergel-Masse», erklärt sie, als ihre Finger langsam über den Stein streichen. «Es ist wie mit den Forschungsinstitutionen im Kanton. Es gibt grössere und kleinere, bekanntere und unbekanntere. Alles Edelsteine in ihrem Fachgebiet. Zusammengehalten und vernetzt durch die Academia Raetica», führt sie ihre Gedanken weiter aus.