Wird der Spritpreis Trump im US-Wahljahr gefährlich?
Dass US-Präsident Joe Biden die Ukraine mit viel Geld unterstützte, während zu Hause die Spritpreise explodierten, kam bei vielen Amerikanern gar nicht gut an.
Zu viel Aussenpolitik, zu wenig Fokus auf die Probleme der US-Bürger, lauteten die Vorwürfe. Einer der schärfsten Kritiker war damals Donald Trump. Er wollte es anders machen, die Energiepreise halbieren und die Amerikaner immer an die erste Stelle setzen. Als Präsident werde er die Jahre der Kriege, der Schwäche und des Chaos beenden, versprach Trump vor seiner Wiederwahl. «Bei mir gibt es keine Kriege.»
Doch gut ein Jahr nach seiner Amtseinführung stellen sich die Dinge anders dar. Der Krieg der USA gegen den Iran belastet den internationalen Ölhandel schwer, weswegen US-Bürgerinnen und Bürger an der Tankstelle so viel bezahlen wie seit Jahren nicht mehr. Der Anstieg trifft die ländliche Bevölkerung besonders hart, Trumps Kernwählerschaft.
Trump geht mit offener Flanke in den Wahlkampf
Die Schuld für den Preisanstieg kann der Republikaner nicht auf äussere Kräfte oder einen verrückten Weltmarkt schieben – der Grund ist der von ihm begonnene Krieg gegen den Iran an der Seite Israels. Trump geht daher mit einer offenen Flanke in den Wahlkampf zu den wichtigen Zwischenwahlen, die im November anstehen.
Die Amtsinhaber im Weissen Haus werden bei den sogenannten Midterms häufig abgestraft und müssen um ihre Mehrheit bangen – selbst ohne grosse Krisen. Die Wahl wird entscheiden, ob Trump im Rest seiner Amtszeit noch grosse Projekte stemmen und wichtige Posten besetzen kann.
Trump spielt das Problem der hohen Spritpreise bislang herunter: Es handle sich um einen kurzfristigen Anstieg, die deutlich erhöhten Ölpreise seien zudem gut für die USA, weil sie als grösster Produzent der Welt daran verdienten, meint er. Doch Umfragen zeigen, dass viele Amerikaner das anders sehen. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung verdient nicht am Ölpreis, sondern muss tanken, um mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, die Kinder in die Schule zu bringen oder einzukaufen.