Wird der erste künstliche Wissenschaftler ein «Davoser» sein?
Als Pascal Kaufmann den Raum betritt, in dem das DZ-Interview stattfindet, ist ein Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen. Der Gründer der Mindfire-Stiftung – er ist zudem auch ausgebildeter Hirnwissenschaftler – ist ein offener, kommunikativer Mensch. Trotz seines eng getakteten Terminkalenders nimmt er sich Zeit, um über das Lab 42 zu sprechen und wirkt dabei immer noch entspannt.
Das Feld nicht China und den USA überlassen
Das Lab 42 wird zum einem weiteren Davoser Forschungsinstitut. Doch was wird dort genau gemacht? «Wir bauen Roboter in der virtuellen Welt», erklärt Kaufmann. Er holt einen Handschuh aus einer Tasche hervor und zieht ihn an. «Mit diesem Handschuh kann ich mich im virtuellen Raum bewegen. Bald wird es auch möglich sein, dass ich nebst der Übertragung meiner Fingerbewegungen auf mein virtuelles Abbild selber Berührungen wahrnehmen kann», erklärt er zu diesem faszinierenden «Gadget». Man merkt, in welche Richtung es in der Lab-42-Welt gehen soll.
Doch nicht nur für solche Apparaturen soll künftig die Technologie in Davos entwickelt werden. Auch Simulatoren sollen hier gebaut werden. Dabei arbeite man mit vielen Leuten aus der ganzen Welt zusammen, erläutert der Mindfire-Unternehmer. Es ist ihm ein grosses Anliegen, dass im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) nicht nur China oder US-Techkonzerne federführend sind, sondern auch in Europa. Seine Vision geht aber weiter. «Wir wollen das Wissen aus der ganzen Welt zusammentragen, um den ‹Braincode› zu knacken». Oder anders gesagt: In Davos soll ein künstlicher Forscher erschaffen werden, der wissenschaftliche Publikationen generieren kann.
Um dieses Ziel zu verfolgen, binde man beispielsweise Gamer auf der ganzen Welt in die Forschung mit ein. «Anstatt Ballergames zu spielen, animieren wir sie, Roboter in der künstlichen Welt zu bauen. In einer virtuellen Arena lassen wir dann verschiedene solcher Roboter gegeneinander antreten, um zu sehen, welcher der beste ist». Kaufmann selber sei ein totaler Fan von diesen 15- bis 16-Jährigen, die bereits im jungen Alter mit viel technologischem Wissen ausgestattet seien.